Blasphemie

Datum: 11.04.2010, veröffentlicht in Meinung, von Michael

Schlimmste Blasphemie, unüberbietbare Besudelung, gar Strafbarkeit, aber keinesfalls der Ausdruck von Meinungsfreiheit liest das Propaganda-Organ der deutschen Katholiken im Netz kath.net im Titelbild der April-Ausgabe des Satiremagazins Titanic. Abgebildet ein Priester, der sich demütig seinem ans Kreuz geschlagenen Jesus nähert und ein Jesus mit hochrotem Kopf. Sagen wir mal, er ist peinlich berührt, dieser Jesus. Was man ihm nicht verdenken kann bei der täglichen Ausweitung des Missbrauchsskandals. In der Prüderie der katholischen Kirche dient alles sexuelle schließlich allenfalls der Fortpflanzung und keinesfalls der Lust. Und aber schon gar nicht der perversen und krankhaften, der pädophilen und ephebophilen Lust. Was bleibt diesem Jesus schon anderes übrig als mit hochrotem Kopf in die Welt seiner Jünger zu blicken?

“Das Titelbild der Aprilausgabe des Satiremagazins “Titanic” nimmt die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche zum Anlass, einen katholischen Bischof zu zeigen, der seinen Kopf dem Geschlechtsbereich des gekreuzigten Heilands zuneigt”, schreibt kath.net. Ach ja? Es liegt womöglich an der Perspektive, liebe Katholiker, vielleicht an der eigenen? Wer sich einem höheren Gottwesen verschreibt, dieses erhöht und den Menschen im Verhältnis zu seinem Gott herabsetzt und die Begegnung auf Augenhöhe mit dem Gott der Kirche unerwünscht macht, mag vielleicht nur zu dieser Perspektive fähig sein. Gegebenenfalls trägt die Verteufelung alles Sexuellen dazu bei, dass man nach den Jahrzehnten des Verdrängens und Verschweigens nur noch das sehen kann, was sich dem Menschen aufdrängt, der in seinem selbst beschmutzten Nest sitzt.

Das katholische Propaganda-Organ moniert, die Meinungsfreiheit ende, wo eine Beschimpfung besonders herabsetzend daher käme und der öffentliche Friede gestört sei. Sagen wir es mal so: Besonders herabgesetzt haben sich die Geistlichen, die sich in dieser menschenverachtenden Weise zur Befriedigung der eigenen Lust ihren Schutzbefohlenen genähert haben. Das ist unverzeihlich. Diese Vorgänge sind in dem kath.net-Artikel übrigens mit keiner Silbe erwähnt, was auch tief blicken lässt. Den öffentlichen Frieden hat jedoch nachdrücklich gestört, dass sich die katholische Kirche mit ihrem Handeln, als der Skandal offenbar wurde, versuchte außerhalb des Rechtsstaats zu positionieren und die Täter nicht selbst anzeigte, sondern versetzte. Betrachtet man sich die Causa Mixa scheint die katholische Kirche an dieser Herangehensweise auch nicht sonderlich viel geändert zu haben. Wenn doch eine Reihe von Menschen an Eides statt erklären, Sie seien von Herrn Mixa misshandelt worden, wohl wissend, dass falsche eidesstattliche Erklärungen hart bestraft werden, dann frage ich mich doch, was dieser Bischof noch im Amt macht. Warum ist er nicht zumindest suspendiert bis zur Klärung der Angelegenheit. Nur weil ein Gros der Vorfälle juristisch verjährt ist, dürfen die schwer belasteten Würdenträger nicht damit rechnen moralisch ungeschoren davon zu kommen.

Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass der eine oder andere ehemalige Heim- oder Internatsbewohner einer katholischen Institution sich nicht möglicherweise doch als Trittbrettfahrer verdingt und das eine oder andere dünne monetäre Scheibchen vom Wiedergutmachungskuchen abhaben möchte. Das mag sein. Es ist ganz sicher auch so, dass das was wir heute Misshandlung nennen vor 30 Jahren als eine “notwendige Züchtigung schwer Erziehbarer” betrachtet wurde. Als Grund weiterer Verschleierungstaktik taugt das allerdings nicht.

Mir persönlich fehlt in diesem Skandal ein Bekenntnis der Organisation katholische Kirche jeglichem Vorwurf akribisch nachzugehen und diesen vorbehaltlos aufklären zu wollen. Zu einer solchen vorbehaltlosen Aufklärung würde nämlich beispielsweise auch zählen, dass solche Scharfmachermagazine wie kath.net an die kurze Leine gelegt würden bis alle Fälle aufgeklärt sind. Ein solches Bekenntnis ist für mich allerdings nicht erkennbar.

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