Osterbotschaft

Datum: 04.04.2010, veröffentlicht in Meinung, von Michael

Es gab unzweifelhaft Kriege in der Geschichte der Menschheit, die einen Sinn ergaben. Die Mehrheit aller kriegerischen Handlungen ergab leider keinen Sinn. Sinnlos sind Menschen, hauptsächlich Männer in Schlachten geschickt worden, um für verwaschene Ziele zu kämpfen. Und vollkommen sinnbefreit sind sie in Kriegen gefallen, wie in der Kriegssprache das Abschlachten heroisch glorifiziert wird. Nun sind dieser Tage wieder drei Bundeswehrsoldaten in Afghanistan “gefallen”, drei von insgesamt 39, was wenn man diesen Konflikt nun mal so betrachtet wie man ihn denn nun betrachten muss, eine Kleckerzahl ist, wenn man sich gleichzeitig anschaut, wie viele Menschen, die keinerlei Uniform tragen und für keinerlei Ziele kämpfen versehentlich, nur einfach weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren, von Attentätern jeden Tag aufs Neue in Stücke gesprengt werden. Kaum ein Tag in dem sich kein Fanatiker im Irak oder in Afghanistan an einem belebten Platz in die Luft jagt.

Sicher, 39 tote deutsche Soldaten sind 39 tote Menschen zu viel. Andererseits haben sich diese 39 freiwillig in Gefahr begeben und nahmen das Risiko in Kauf nicht nach Hause zurück zu kehren. Afghanistan ist kein Abenteuer-Camp. Freiwillig sind die Deutschen in den Krieg gezogen. Ohne Not wohlgemerkt. Von deutschem Boden solle kein Krieg mehr ausgehen. Das hatte man vergessen, als man die Entscheidung traf. Auch offenbar ist es kollektiv dem Deutschen entfallen, dass unsere Armee der Verteidigung dient und nicht dem Angriff.

Warum eigentlich sind wir nochmal in Afghanistan? Erinnert sich noch irgendwer daran? Welcher Teil Deutschlands wird dort verteidigt? Das wievielte Bundesland ist Afghanistan? Ich weiß, reine Polemik. Dennoch trifft es den Kern. Warum deutsche Soldaten in Afghanistan “fallen” ist unklar und erschließt sich niemandem. Ich könnte es auch niemandem erklären, aus welcher Not heraus, deutsche Soldaten in einem afghanischen Bürgerkrieg zu sterben haben, in einem Land, in dem unter den Augen unzähliger Demokratien die Regierung sich durch Wahlfälschung an der Macht hält. Die afghanischen Sippen- und Strippenzieher wollen keine Demokratie nach westlichem Vorbild. Sie wollen auch keinen säkularen Staat. Das Wiedererstarken der Taliban spricht eine deutliche Sprache. Eine gleichwohl deutliche Sprache spricht es, dass sich an der inneren Struktur der Macht in Afghanistan trotz der langen Jahre des Krieges nichts verändert hat.

Wer versorgt die Taliban eigentlich mit Waffen und Munition? Warum wird diese Frage öffentlich nicht gestellt, wo sie doch so naheliegend ist. Wer hat ein Interesse daran, dass die Taliban die Oberhand gewinnen? Sicher, alQuaida hat ein Interesse daran, aber meines Wissens nach bauen Terroristen ihre Waffen nicht selbst. Auch ist mir keine Waffen- oder Munitionsfabrik bekannt, die fest in terroristischer Hand ist.

Die Deutschen müssen Afghanistan verlassen. Auch wenn ich sehr wohl weiß, dass sie es zu diesem Zeitpunkt nicht tun werden. Für meinen Geschmack und mein Empfinden wird diese Region niemals dadurch befriedet werden, dass Soldaten westlicher Demokratien sich in Friedensstiftung versuchen. Was meines Erachtens fehlt, ist ein starker Impuls aus der afghanischen Bevölkerung, der sich klar und konsequent gegen die Taliban richtet und der sich gegen die eigenen Machterhaltungsstrukturen im Land wendet. So lange dieser Impuls fehlt, werden meiner Ansicht nach alle Soldaten den Status des ungeliebten Besatzers nicht überwinden. Sollte eines Tages die Unterstützung aus der Bevölkerung für die Feinde im eigenen afghanischen Land weg brechen, dann kann man Soldaten schicken, die einen Friedensprozess unterstützen, so das afghanische Volk das will. So lange das nicht der Fall ist, und mir kann niemand glaubhaft darlegen, dass dies der Fall ist oder in der Vergangenheit war, so lange stirbt jeder Soldat vollkommen sinnlos.

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