Wie macht man sich eigentlich…

Datum: 26.01.2010, veröffentlicht in Meinung, von Michael

…Probleme, wenn man keine hat, aber doch ganz gerne welche hätte? In häuslicher Umgebung und persönlichem Umfeld ist das ganz einfach. Man nehme sich einen Linkshänder, jedenfalls so man selbst Rechtshänder ist, mit nach Hause und hat fortan die schönsten Probleme, die man sich niemals hätte vorstellen können. Dazu hatte ich mich ja bereits umfänglich in Facebook geäußert.

Wenn man hingegen Bundesregierung oder noch besser Außenminister ist, dann stellt man sich mit möglichst wenig Vorabüberlegungen vor eine Kamera und brabbelt beispielsweise so schöne Sätze wie “Wir fordern ein Aussteiger-Programm für einfache Taliban” hinein in das Guckloch und verdrängt – vielleicht mit Untermalung von Rauschdrogen – unverzüglich, was das denn eigentlich bedeuten würde und warum halbherzig angedachte Aussteigerprogramme selbst hierzulande großartig floppen. Das Argument, der einfache Taliban würde sich jawohl überhaupt nicht aus Überzeugung, aber aus wirtschaftlicher Not zur Kampftruppe verdingen, mag noch stichhaltig sein. Jedoch ist genau dieser Punkt auch der Knackpunkt der lächerlich simplen Überlegungen zum bundesdeutschen Aussteigerprogramm. Denn werfe man die Erfolgsmomente des Afghanistanfeldzuges in die große Lostrommel, so muss man doch wohl konstatieren, dass der erfolgreiche Aufbau der Administration, der zivilen Polizei, der Behörden, des Militärs, der Demokratie als solches nicht dazu zählen. Aus Sicht der Drogenmafia gehört zu den lokalen Glücksmomenten zweifelsfrei der Aufbau Afghanistans zur größten zusammenhängenden Drogenanbaufläche der Welt, zum weltgrößten Handelsplatz für illegale Rauschdrogen und aus Sicht der Taliban die immer noch sehr erfolgreiche Rekrutierungsabteilung der afghanischen Organisation.

Betrachtet man nun das eine Päckchen (gefloppter Aufbau von Republik und Demokratie) und das andere (Terror und Drogen) mal zehn Minuten in Ruhe, schaltet vielleicht das Gebrabbel der Vorsager, Redenschreiber und Lobbyisten für einen Moment aus und versucht einfach mal wieder das eigene Hirn zur Mitarbeit zu gängeln, so dürfte doch wohl selbst unserem Außenminister binnen Sekundenfrist auffallen, dass da jetzt was nicht passt.

Der einfache Talibanbauer ballert mit dem Schnellfeuergewehr durch die afghanische Pampa aus wirtschaftlichen Gründen. Als Besatzer kann es einem nicht recht sein, dass er dieses Verhalten an den Tag legt, also bieten wir dem Ballerbegeisterten naheliegend eine bessere Bezahlung mit garantiertem Urlaub und Krankenversicherung an der Heimatfront, also böten wir… Könjunktiv… so wir es denn hätten. Oder wir bieten ihm einen sogar ballerfreien, doch deutlich besser bezahlten Job in der heimatlichen prosperierenden Wirtschaft an… äh, ach nee, diese Wachstumsbranche gefiel uns ja auch nicht wirklich, bliebe auch hier nur der Könjunktiv. Bliebe letzten Ende vielleicht noch Hartz IV als Alternativangebot, wobei dann mit auf dem Teppich zu sitzen und Tee zu schlürfen auch Schluss wäre, denn gerecht muss es ja bleiben und deshalb müsste der Einfachtaliban mit Leistungskürzungen rechnen, wenn er nicht ununterbrochen bei der Behörde aufschlüge (die weder existiert noch funktioniert), sich den launischen Gängelangeboten unterwürfigst unterwerfen würde und sich statt Teeteppich mit feinsten Fortbildungsangeboten und Ein-Euro-Jobs beschäftigte.

Bei Lichte betrachtet, ist das Aussteigerprogramm für’s Fußvolk der Taliban also ein vollkommen sinnbefreites Unterfangen, denn die Bedingungen, die es erfolgreich machen könnten, sind in der langen Besatzungszeit nicht im Ansatz umgesetzt, mal ganz abgesehen davon, dass es sicher einfacher ist sich aus einer im Westen bekannten Sekte zu lösen als sich vom islamistischen Terror los zu sagen. Politisch korrekt ist es sicher nicht, doch ein zu viel an Licht ist in dieser Sache sicher eher schädlich. Machen wir es also wieder aus das Licht und die Augen zu. Ich glaube, so oder ähnlich sind wir ja schon hineingetappst in das gewagte Unterfangen am Hindukusch… vielleicht, ganz zufällig und beiläufig finden wir auf selbem Wege wieder hinaus.

…und unserem Außenminister schenken wir vielleicht mal das Handbuch “Selber denken macht schlau”. Das hilft künftig womöglich die eine oder andere Peinlichkeit auszulassen.