Irre Existenzen
Die Zeit zwischen den Jahren ist jawohl irgendwie auch eine Zeit der Irren. Das fällt mir immer wieder auf. Heute abend beispielsweise wieder. Über eine zunächst völlig unverfängliche Chatterei entwickelte sich über die Dauer von zwei Stunden eine angenehme Schwatzerei. Ich meine, das kommt ja jetzt mal nicht ständig vor, dass man feststellt, ein virtuelles Gegenüber kann mit einer gewissen Portion Humor und Wortwitz das eigene Geschwätz auch wechseln. Und dann, unvermittelter Dinge wundert man sich, dass von seinem virtuellen Gegenüber nichts mehr kommt, wirft einen flüchtigen Blick in die History und stellt fest, dass das Gegenüber nicht mehr existent ist, das Profil des virtuellen Gegenübers hat sich in nichts und Wohlgefallen aufgelöst. Man hat dann also zwei Stunden seines Lebens mit einem Phantom vertan.
Diese soziale Unterbelichtung scheint besonders zwischen den Jahren viral um sich zu greifen. Stellt man sich die gleiche Situation nicht im virtuellen, sondern im realen Raum, meinetwegen in einer Kneipe vor, dann ist das so, als wenn der andere unvermittelter Dinge, mitten im Satz grußlos aufsteht und aus der Türe rennt. Ist das neuerdings normal? Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen? Darf man sich jetzt neuerdings so verhalten? Ja? Oh,… das wusste ich gar nicht.





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