Gefährlich kumuliert

Datum: 05.11.2009, veröffentlicht in Sammelsurium, von Michael

Mosteiro dos Jeronimos Portugiesische Entdeckung der Welt Entdeckerdenkmal

Über das portugiesische Bett als solches hatte ich mich ja bereits ausgelassen, allerdings muss ich nach ein paar Tagen der Nutzung nochmal auf die allgemeine Gefährlichkeit desselben für die Gesundheit eingehen. Jedenfalls für mitteleuropäische Männer mittleren Alters ist es die schlechtest denkbare Schlafstatt. Die Kombination aus Längenmaß für Zwerge, Wackelsoftmatratze, steinhartem Kopfkissen und hauchdünnem Läppchen, das nächtliches Auskühlen sicherstellt, führt zwingend zu schlimmstem Zerren und Reissen in den Gliedern, besonders denen im Rücken. Die Top-Kombination ist allerdings bereits vorhandenes Knarzen im Gebälk und eine Reise in der legendären Electrico 28, einer der winzigen, ebenfalls für Zwerge in einer Zwergenwelt produzierten tausendjährigen Straßenbähnchen, die federungs- und rücksichtsfrei bergauf, bergab, kurvig und alles zusammen durch die Lissaboner Hügel brettern. Eine solche Reise stehend in einer restlos überladenen Electrico hat mir gestern für immer einen ansonsten eigentlich ganz hübschen Platz in Lissabon als Platz infernalischer Schmerzen ins Gedächtnis eingebrannt. Jeder alte Sack sei gewarnt unter keinen Umständen mit Knarzen im Gebälk eine Stehplatzreise in der Electrico 28 vorzunehmen, denn das führt unvermeidlich zu Verschlimmerungen etwaiig vorhandener Zipperlein.

Ansonsten haben wir uns heute mit den Entdeckereigentschaften der Portugiesen beschäftigt. Klar, es ist historisch korrekt, dass Portugiesen viele Teile der Welt sehr früh in der Zeitrechnung für die Europäer sichtbar gemacht haben, was mich aber wirklich deutlich stört an diesen heroischen Überhöhungen, dass mit keiner einzigen Silbe öffentlich erwähnt wird, dass diese Art der Unterwerfung zur Ausrottung und unerträglicher Ausbeutung von Völkern geführt hat.

Erwähnenswert ist übrigens noch der ÖPNV in Lissabon, der zwar wirklich sehr gut ausgebaut ist und auch Fremden die Orientierung leicht fällt. Man möchte meinen, dass es maschinell wiederaufladbare Tickets gibt, sollte internationalen Besuchern einer europäischen Hauptstadt die Navigation durch die Stadt leicht machen, aber… weit gefehlt. Die Ticketmaschinen sprechen nämlich leider nur eine Sprache, die da heißt portugiesisch, was zu langen Touristen-Schlangen vor den Ticketautomaten führt. Dabei ist nichts leichter, als einem Ticket-Computer eine zweite und dritte Sprache beizubringen. Für mich sieht es dann also mal eher so aus, als wolle man gar nicht, dass der Tourist selbsttätig an den Geräten klarkommt.

Ansonsten waren es heute wieder wundervolle sonnige 20 Grad. Morgen werden wir noch den alten Friedhof von Lissabon besuchen und das Expo-Gelände und dann neigt sich unser Kurzurlaub fast schon wieder zur Neige und am Samstag geht’s zurück ins herbstliche Dorf.

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