Lissabon, windig, 21 Grad

Datum: 03.11.2009, veröffentlicht in Sammelsurium, von Michael

Die vergangenen zwei Wochen waren mal wieder geprägt  von einem defekten persönlichen Thermostat. Es zeigte unerbittlich und zu oft auf 39°, was als Körpertemperatur eher jedenfalls was ungesundes ist. Je näher der 2.11. rückte desto öfter wechselte ich meine Meinung… reisen wir, reisen wir nicht? Wir sind gereist. Montag morgen, acht Uhr ging’s los. Wir mussten nur noch zum Köln-Bonner Flughafen, was eigentlich ganz einfach ist, aber was ein rechter Selbstmörder ist, der verteilt sich natürlich montags morgens bei Leverkusen am effektivsten auf den Gleisen und stellt sicher, dass es auch möglichst viele mitbekommen. Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir dann doch noch am Airport angehetzt. Wie gut, dass es keine größeren Probleme gab beim Einchecken… naja, bis auf die Olle, die mir nur erlauben wollte, mein Triplex-Benzinfeuerzeug aus den 1950er Jahren, das ich vergessen hatte aus der Tasche zu nehmen mitzunehmen, wenn ich es unrettbar und schrottreif zerlegt hätte.

Nun bin ich ein paar Jahre nicht mehr geflogen und irgendwie war’s mir mulmig in dieser Blechrakete. Es war vielleicht eine gewisse Vorahnung, denn Landung konnte man das, was der Pilot dahin legte nicht wirklich nennen. Es war eher eine Art zielgerechtetes Fallenlassen und die Landung wundervoll hart. Am wundervollsten ist es ja, wenn man überhaupt landet.

15:00 Uhr eingecheckt im Hotel “Residencial Florescente”, in dem man super seitlich durch die Tür kommt, wenn man sein Zimmer betreten möchte und das Bett… naja, reden wir nicht darüber. Im wesentlichen ist es hübsch hier, wenn wir uns mal die Hügel weg denken, die mir in jeder dritten Straße und jeder zweiten Treppe die Frage nahelegen, wer überhaupt bestimmt hat, dass ich selber atmen muss. Mikko hat mich gestern nachmittag noch aufs Castello hochgejagt, das in einem hübschen Viertel ist und einen fantastischen Blick über die Stadt erlaubt. Das Castello ist in großen Teilen Disneyland und nachträglich gebaut, weshalb wir die fünf Euro, die man da pro Kopf haben wollte, lieber in Galao und kalorienfreier Törtchenfresserei versenkten.

Heute dann nach einer furchtbaren Nacht (dünnes Deckenläppchen, an dem jeder in seine Richtung zog, was es einfach nicht größer werden ließ) ein nettes Hotelfrühstück, jede Menge Kirchen mit abgetrennten Engelsköpfen, mit denen man geschmacksfreie blattgoldbelegte Seitenaltare zuhauf belegte. Am Horizont ein riesiger Heiliger (Christo Rei)… so einer, der auch in Rio steht. Wer jetzt das Original hat und wo die Kopie steht, weiß ich jetzt auch nicht… (der schlaue Mikko meint, hier ist’s das Imitat). Ähnlich verhält es sich wohl auch mit der San-Francisco-Hängebrücke oder den von Herrn Eiffels Studenten gebauten Aufzug mitten in der Stadt. Morgen machen wir mal hübsch in Cascais… also Leuchtturm, Atlantik, Touristenbusse und wir treffen Mikkos lange verschollene Verwandte Frau T., die morgen aus Helsinki anreist. Obrigado.

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