Pinkmap: Mann kann es (gut) finden
Gestern hat mich jemand auf PinkMap aufmerksam gemacht, was ich bis dato noch nicht kannte. Scheint nebenbei bemerkt aber auch noch nicht so furchtbar lange online zu sein.
Pinkmap, das ist genau genommen eine iPhone- bzw. Web-Applikation, die im wesentlichen auf Google Maps aufsetzt, in welcher Mann seinen eigenen Standort preis gibt. Dabei ist der eigene Standort ziemlich exakt und zwar auch dann, wenn man nicht mit UMTS, sondern aus dem eigenen DSL-Netz online ist. Der Mensch, der mir gestern von dieser App erzählte, fand das alles ganz schlimm und befürchtete schlimmes für diejenigen, die ihren Standort bekannt geben, denn und das ist der möglicherweise pikante Part, Pinkmap ist gemacht für schwule Männer. Sein erster Gedanke: Das ist gefährlich, wenn das potentielle Opfer sich dem potentiellen Schwulenklatscher online offenbart.
Etwas technikverliebt musste ich es natürlich ausprobieren, und ich muss sagen, ich teile diese Befürchtungen nicht. Man kann die Applikation gut finden oder man kann es lassen. Das charmante ist das kleine Stückchen Software für den gegenwärtig angesagtesten schwulen Begleiter, das iPhone, weil es den eventuellen Chat-Kaffee-Sex-Partner aus der viel gescholtenen Anonymität hebt. Ja klar, jeder kann’s sehen. Auch jeder, der lediglich als Gast eingeloggt ist. Aber wollten wir das nicht immer? Dass alle es sehen können und es so normal ist, dass es niemanden mehr vom Hocker reißt? Wenn ich mich in ein offenkundig schwules Café begebe und dort auf die Terrasse setze, um meinen Kaffee zu schlürfen, sieht es schließlich auch jeder und befürchten muss ich mal erstmal nix. Was gut ist.

Ich glaube, der Impuls “das ist gefährlich” ist eine Generationenfrage. Männer in meinem Alter und älter, die noch Demos gegen den Paragraphen 175 aus eigener Anschauung kennen und sich noch an Schwule erinnern können, die aus eigener Erfahrung die NS- und Nachkriegszeit erlebt haben, zucken schneller und anders als die 20+-Bengels. Dass die Mittzwanziger nicht mehr zucken, werte ich dabei mal als positives Signal.
Der gegenwärtige Standard fürs schwule Daten ist bekanntermaßen Gayromeo. Und der unterschwellig erklärte Gegner von Pinkmap, wie man auf queer.de lesen kann: “Wir finden Gayromeo gar nicht schlecht. Nur möchten wir den Leuten gerne eine zeitgemäße, mobile Plattform bieten und sie wieder mit dem realen Leben connecten.”, so der Pinkmap-Geschäftsführer Johannes Tyra im queer.de-Interview. Ich erinnere mich dunkel, es gab mal Diskussionen um zumindest eine mobile Version von Gayromeo, was die Macher von Gayromeo jedoch auf die lange Bank schoben. Mit dem sprunghaften Anstieg der Userzahlen bei Pinkmap könnte sich zeigen, dass das blaue Urgestein möglicherweise zu lange gewartet hat.




Ein Kommentar zu “Pinkmap: Mann kann es (gut) finden”
8-31-2009
Tja auch wenn die blauen Seiten so schlecht gar nicht sind kann ein biserl Konkurrenz nie schaden :-)
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