Die Mär vom Skandal Tauss

Datum: 21.07.2009, veröffentlicht in Meinung, von Michael

So, nu ist es raus: Jörg Tauss, ehemals MdB für die SPD, heute für die Piratenpartei und bekennender Gegner der Internet-Zensur hatte drei DVDs mit kinderpornografischem Material. Da muss die Staatsanwaltschaft aber mal jeden Zettel in so einem Abgeordnetenbüro umgedreht haben, um dahinter zu kommen. Und wen wundert’s, nun wird / will die Staatsanwaltschaft Anklage erheben und damit die Mär vom Skandal auch schön aufrecht erhalten werden kann, wendet sich der zuständige Staatsanwalt natürlich selbsttätig und ohne Not an die Bild-Zeitung. Großes Kino Deutschland. Warum wird der Herr Tauss eigentlich nicht direkt in einem großen Stadion öffentlichkeitswirksam angekettet, ausgepeitscht und gesteinigt? Das entspräche doch dieser institutionalisierten Vorverurteilung.

Wie in verschiedenen Medien berichtet, u.a. bei heise stützt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ihre Anklage wohl insbesondere darauf, dass der Herr Tauss keinen “dienstlichen Auftrag” gehabt hätte, sich mit der Kinderporno-Szene zu beschäftigen. Nun, wie soll ich es diplomatisch sagen, Herr Staatsanwalt, wie wäre es denn mal mit einem kleinen VHS-Kurs “Abgeordnete für Anfänger”. Seit wann brauchen Parlamentarier einen dienstlichen Auftrag, um sich mit gesellschaftlich relevanten Themen zu beschäftigen. Meinen ganz unwesentlichen Erkenntnissen nach sind deutsche Parlamentarier Vertreter des ganzen Volkes und weder an Aufträge noch an Weisungen gebunden und nur ihrem Gewissen verpflichtet. Ok, ok… die Nummer mit dem Fraktionszwang könnte man nun auch als “Anweisung” verstehen und ist in gewisser Weise gewissensfeindlich und manchmal wird ein Parlamentarier, der zwar gewissenskonform aber fraktionsfeindlich abstimmt auch gerne mal öffentlichkeitswirksam in einem großen Stadion aufgeknüpft und ausgepeitscht (wir erinnern uns an Frau Metzger und Frau Ypsilanti), aber daraus abzuleiten, als Staatsanwaltschaft könne man sich auf die gleiche perverse Ideologie berufen, ist schon ein starkes Stück.

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich alles koscher ist mit diesem Herrn Tauss. Andererseits drei DVDs stillen sicher nicht den Konsum-Hunger eines Pädophilen. “Drei DVDs” sagt auch nichts darüber aus, um wieviele Bilder oder Videos es sich handelte, aber dass der “Skandal” um Herrn Tauss mutwillig zusammen geklöppelt ist, das erkennt auch ein Blinder. Und dass da jemand eine Gelegenheit genutzt hat, sich eines unliebsamen Nörglers zu entledigen, drängt sich doch geradezu auf. Die zeitliche Nähe des angeblichen Skandals passt einfach zu gut zum durch das Parlament gepeitschten Zensurgesetz. Ich glaube, da konnte man sich einen unbescholtenen Nörgler einfach nicht leisten. Aber unbescholten, wie wir sehen, lässt sich jawohl immer leicht abändern.

2 Kommentare zu “Die Mär vom Skandal Tauss”


Antiteilchen
7-21-2009

Auch Herr Tauss hat sich an geltende Gesetze zu halten! Der Besitz von Kinderpornografie ist zurecht strafbar, das gilt auch für den Abgeordneten Tauss. Die Verfolgung dieses Straftatbestandes ist Aufgabe der dafür vorgesehenen staatlichen Institutionen, nicht die Aufgabe des Herrn Tauss.


Michael
7-22-2009

Man kann natürlich alles so verkürzt darstellen bis es rechtschaffen unkenntlich wird. Natürlich hat der Herr Tauss es blöd angestellt, sich in aller Heimlichkeit den Kipohändlern zu nähern, bei derlei Vorhaben sucht man sich doch besser Mitwisser und macht’s nicht heimlich.

Dennoch denke ich kann man sich hinstellen, wie Frau Zensursula und ununterbrochen frei erfundenen Kack behaupten und darauf tolle Gesetze durchs Parlament jagen, egal wie sinnreich die sind oder man kann sich als Parlamentarier auch mal versuchen halbwegs schlau zu machen.
Will man ein Gesetz zur Atomkraft, muss ich mich auch halbwegs mit den Gegebenheiten auseinandersetzen und kann schlecht darauf vertrauen, dass alles was mir eifrige Wasserträger mitteilen, der Wahrheit entspricht oder es die einzige Wahrheit ist.

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