Litauen: Zurück in den Schrank
Lesben- und Schwulenfeindlichkeit sollte in einem geeinten Europa überwunden sein. Dass es das nicht ist, im Gegenteil auch immer wieder institutionalisiert wird, zeigt aktuell das in der Kulturhauptstadt Europas Vilnius vom litauischen Parlament beschlossene radikale Gesetz zum Jugendschutz, das jeden Aufruf zu “homosexuellen, bisexuellen und polygamen Beziehungen” verbietet. “Ausfällige Sprache” und Werbung für “schädliche Verhaltensweisen bei Ernährung und Hygiene” dürfen demnach nicht mehr veröffentlicht werden.
Das Gesetz soll “negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die körperliche, geistige und moralische Entwicklung von Minderjährigen” vorbeugen. Der litauische Schwulenverband kündigte ungeachtet des neuen Gesetzes an im Mai 2010 zu einem Christopher Street Day in Vilnius aufzurufen. Dass Lesben und Schwule sich nicht mehr in den Verstecken-Schrank sperren lassen, dürfte den Parlamentariern wohl spätestens dann auffallen.
Mit Jugendschutz hat dieses Gesetz nichts zu tun. Es institutionalisiert Lesben- und Schwulenhass und versperrt Wege wirksamer Hilfe, Aufklärung und Prävention schwuler und lesbischer Jugendlicher im Coming Out. Dieses Gesetz ist menschenverachtend und für die EU ein Skandal. Es entspricht in der Zusammenfassung vielleicht einer Bananenrepublik, aber für Europa ist es mehr als unwürdig.




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