Tot ist tot ist tot

Datum: 26.06.2009, veröffentlicht in Meinung, Sammelsurium, von Michael

Komisch, auch Michael Jackson ist sterblich. Das, wenn man in der vergangenen Nacht Twitter verfolgte, offenbar etwas überirdisches hatte. 15 Prozent aller Posts haben direkt oder indirekt mit dem Ableben dieser tragischen Kunstfigur zu tun. Zum Vergleich: die Schweinchengrippe brachte es auf fünf Prozent. Twitter brach zwei mal unter der Last der vielen Posts zusammen.

Bemerkenswert finde ich diese Flut an Beileidsbekundungen allemal. Nein, nicht etwa, weil ich diesen Farbwechsler für den größten Sänger aller Zeiten halte,  sondern weil er als solcher gehandelt wurde, obschon seine Unschuld was den Kindesmissbrauch betrifft eben nicht zweifelsfrei beseitigt werden konnte. Auch wenn er in dem Missbrauchsprozess freigesprochen wurde, so wurde er von den Geschworenen doch lediglich aus Mangel an Beweisen freigesprochen, die es damals wichtig fanden, es explizit zum Ausdruck zu bringen. Und warum erkaufte er sich das Schweigen der Kinder und Familien mit horrenden Summen, wenn er denn unschuldig war? Interessant ist doch, dass der Mob bei jedem Hans Wurst eigenhändig zum Henker werden will bei derlei schweren Vorwürfen, aber ein Promi relativ ungeschoren davon kommt und sich am Ende zum Ableben diese seltsame Art des Trauer-Hypes einstellt. Ein bisschen mehr Selbstreflektion, auch bei übersichtlichen 140 Zeichen fände ich machmal gar nicht so schlecht.

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