Parteibuch
In meinem nunmehr fast 41-jährigen Leben habe ich noch nie ein Parteibuch besessen. Und war genau genommen bis gestern stolz darauf, mich niemals in irgendeinem Parteiapparat verschlissen zu haben. Ich empfand es immer als Verschwendung von Kraft, Ressourcen, Aufwand, Wissen und Können mich ganz unten in den Parteiapparat – welcher Partei auch immer – einzuschleusen, um oben als völlig konformer Apparatschik anzukommen. Denn so muss man sein in Deutschland, um in einer Partei “Karriere” zu machen oder zumindest nach einem langen Leben der Parteizugehörigkeit an eine Stelle zu kommen, in der man tatsächlich zu Entscheidungen beiträgt: Formbar.
Nun bin ich nicht sehr formbar und war das auch nie und fürchte mit zunehmendem Lebensalter dürfte das nicht besser werden. Genau genommen andererseits wäre es mir auch niemals im Traum eingefallen, dass Freiheitsrechte in Deutschland entgegen der Würde unserer Verfassung und der Würde des Parlaments einmal so mit Füssen getreten würden, dass ich für mich es für geradezu gefährlich hielte mich nicht parteilich zu engagieren.
Also habe ich es heute getan. Hier habe ich das Formular heruntergeladen, habe es fein ausgefüllt, unterschrieben, eingescannt und es der Partei meines Vertrauens (sind ja kaum mehr welche übrig) zugemailt. Natürlich in der Hoffnung, dass sie auch unumformbare Zeitgenossen in ihre Reihen aufnehmen.
Und selbst wenn es so käme, dass ich über den Piratenstammtisch niemals hinaus käme oder lediglich mit meinen Beiträgen zum Erhalt der Partei beitrüge, wüsste ich immer sicher, ich hätte das richtige getan und mich für die richtige politische Seite entschieden. Klar, dieser Partei fehlt es noch an Breite. Mit digitaler und analoger Freiheit allein ist kein Staat zu machen und dennoch ist diese Partei seit gestern mehr erforderlich denn je. SPD und CDU haben bei den kommenden Wahlen schallende Ohrfeigen verdient. Wer in seiner Amtszeit eine derart hohe Dichte an Verfassungsbeschwerden hervorbringt und sehenden Auges noch schnell vor der Abwahl ein Zensurgesetz gegen die Stimmen fast aller Experten durchdrückt und eine Petition mit über 130.000 Mitzeichnern komplett ignoriert, hat es nicht besser verdient, als abgewählt zu werden und langfristig gesellschaftlich in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Sicher, es gibt die “Gefahr”, wenn die etablierten, früher so genannten Volksparteien unbedeutender würden, dass der Staat, in dem wir leben ein anderes Gesicht bekäme. Aber mal ehrlich, wenn du diesem Staat ins Antlitz blickst, wäre das wirklich so schlimm?





2 Kommentare zu “Parteibuch”
6-19-2009
Das hoffe ich doch stark, dass diese Partei gerade auch unumformbare Zeitgenossen in ihre Reihen aufnimmt.
6-20-2009
[...] mag die sehr persönlich geschriebenen Einträge bei stresstoy, z.B: Parteibuch. Merken und weiterempfehlen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue [...]
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