Meditation mit Willi
Eigentlich bin ich handwerklich eher ungeschickt. Jedenfalls habe ich das früher gedacht. Mit der Zeit der vergangenen 20 Jahre habe ich gemerkt, dass das totaler Quatsch ist und bin mittlerweile gar nicht mehr scheu, was handwerkliche Betätigungen betrifft. Gestern, am Samstag habe ich das mittlerweile trocken gelegte Gartenhäuschen gefliest, damit’s dort wieder einen Bodenbelag hat, den man auch so nennen kann.
Fliesen zu legen – das hatte ich in den vergangen Jahren schon mehrfach gemacht – ist irgendetwas meditatives. Nun mache ich das nicht so oft, alle paar Jahre mal. Ich hatte mich darauf gefreut, meine Stimmung war ausgesprochen gut.
Dieses Fliesenlegen erinnert mich an meinen Vater Willi, der 1981 40-jährig, also so alt wie ich heute bin, viel zu früh diese Welt verlassen musste. Willi hatte Anfang der Achtziger mein Elterhaus bis zum Augenkrebs gefliest. Als Kleinausgabe meiner selbst bin ich auf der Baustelle um ihn herum gewieselt und obschon er mich nie hat eine einzelne Fliese legen lassen, ist die Technik aufgrund elementarer atomarer Verschmelzung in mein Bewusstsein übergangen.
Und so habe ich den ganzen Samstag auf dem Boden hockend und knieend eine Medition mit vielen Gedanken und Erinnerungen an Willi verbracht. Das ist selten, weil meine Erinnerungen an ihn auch von vielen negativen Erinnerungen überlagert sind. Schon deshalb war es besonders schön. Und am Ende als ich auf der Türschwelle stand und mein Werk betrachtete, hab ich gadacht, ja, das hätte Willi gefallen und dann gefiel’s mir schon gleich umso mehr.







3 Kommentare zu “Meditation mit Willi”
4-26-2009
will done – well done ;-)
4-28-2009
Mutig es so offen zu schreiben, gut gelungen, danke.
4-29-2009
Es hat schließlich über 20 Jahr gedauert meinen inneren Frieden mit ihm zu schließen, dann muss ich das doch jetzt auch genießen dürfen.
Sag was...