Sündenpfuhl
Weihnachten ist gerade rum, schwups, schon wieder Ostern. Zeit seine seelische Ballast abzuladen. Jedenfalls wenn man Katholiker ist. Bin ich praktischerweise nicht. Schaden tut’s auch nicht. Das mit der Reue ist jetzt natürlich eine Anforderung, die etwas überzogen wirkt, aber als Heidenkind kann mir das jawohl nachgesehen werden, finde ich.
In die gleiche Kategorie fällt die göttliche Wunschbox an der Klagemauer. Wenigstens muss man sich da nicht besudeln, sondern kann positiv die Wunschliste einwerfen lassen. Praktisch, dass das alles online geht, da braucht man gar nicht mehr offline persönlich vorzusprechen.





2 Kommentare zu “Sündenpfuhl”
4-9-2009
Manche Sachen sind cleverer als sie scheinen… Die Beichte ist nichts anderes als eine primitive Form von Psychotherapie, und zwar für alle und im Alltag.
Lies den Levitikus (3. Buch Mose), um zu verstehen, dass der Priester ursprünglich mehrere sozialen Rollen spielt, die heutzutage von unterschiedlichen Berufen abgedeckt sind, Arzt, Lehrer, Experte, Psychologe. Genauso sind die Regeln, die in den heiligen Büchern stehen, sei es Bibel oder Koran, heutzutage unter mehreren Fächern verteilt, Hygiene, Höflichkeit, Bürgersinn, politische Bildung usw.. Dieser ganze Inhalt der Religionen ist zwar überholt, aber an sich kein Quatsch. Was Quatsch ist, ist nicht zu erkennen, dass er überholt ist, oder ihn so extremistisch zu interpretieren, dass es zu Oppression und Intoleranz führt – aber die Beichte leidet nicht besonders unter Missinterpretationen, vor allem nicht mehr, seitdem ein gewisser Herr Luther sie so stark in Frage gestellt hat, dass man darüber nachgedacht hat, ob sie sinnvoll ist und wo ihre Grenzen liegen.
Ich bin auch nicht religiös erzogen worden, aber ich kann manche Mikrodummheiten, die ich vor Jahren begangen habe, nicht aus meinem Gedächtnis jagen, und die Möglichkeit, sie erstmal vertraulich zu beichten, hätte mir damals bestimmt geholfen, die betroffenen Personen darüber anzusprechen und mich zu entschuldigen. Ich würde bestimmt nicht deswegen dem Katholizismus mit allem drum und dran beitreten, und ich spuck’ ordentlich auf den Papst, aber die Idee der Beichte als alltägliche Hilfe zum ersten Schritt der Klarstellung kleiner Gewissensschmerzen ist an sich eher clever und gar nicht lächerlich.
4-12-2009
oj vej – jetzt wird die klagemauer sicher vollends mit papier verstopft – oder ob die jetzt usb-sticks reindrücken ?!
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