Demokratie in den Sand gesetzt

von Michael

Eine Schockwelle hat sich von Kabul aus Richtung Westen in Bewegung gesetzt, nachdem der vom Westen gestützte Präsident Karzai ein Gesetz unterzeichnet hat, das die Rechte von schiitischen Frauen erheblich einschränkt und die Herrschaftsrechte der schiitischen Männer stärkt (siehe: SPON – Gesetz regelt Sexualverkehr mit Ehemännern). Männer haben demnach das uneingeschränkte Recht von ihren Frauen spätestens an jedem vierten Tag sexuelle Befriedigung zu erfahren, dürfen von ihren Kerlen von “unnützen” Beschäftigungen abgehalten werden, dürfen nur noch mit Erlaubnis und Genehmigung des Ehemannes das Haus verlassen und können – auch ganz schick – jetzt schon mit 16 statt 18 Jahren (zwangs-)verheiratet werden. Mittelalter live.

Und wieder zeigt sich in voller Blüte, was es bedeutet, wenn der Westen versucht, seine für ihn passende Form der Demokratie in andere Kulturkreise zu exportieren. Die Taliban applaudieren, der Westen ist geschockt. Der bevorstehenden Wahl in Afghanistan wird’s gut tun, jedenfalls dem Macho Karzai und seinen Gesinnungsgenossen. Es ist ja auch wirklich zu blöd, wenn sich Frauen ständig einmischen, wo sie doch eigentlich mal ordentlich fest verschnürt unter die Burka gehören.

Wieviel Kohle hat die freie westliche Welt eigentlich in den am Boden liegenden Staat Afghanistan seit Beginn des Krieges exportiert? Könnte das mal jemand zusammen rechnen? Kann man dafür nicht zumindest die Einhaltung der Menschenrechtskonvention verlangen? Die interne Ausgestaltung der Demokratie Afghanistans oder das was nun davon übrig geblieben ist, dürfte mit den vielen Clans jawohl mal eher ein schwieriges Unterfangen sein, geprägt von kulturellen Wurzeln, in die der Westen auch nach jahrelangem Studium kaum Einblick bekommen dürfte. Aber die Forderung, dass Frauen und Männer gleich sind, dass das Minimum dessen, was dem Menschen, unabhängig vom Geschlecht zusteht in seinem Menschsein – gilt übrigens auch für Kinder, siehe Kinderrechtskonvention – das finde ich, darf und muss der Westen einfordern.

Daran geht kein Weg vorbei. Und versucht Afghanistan sich dennoch daran vorbei zu schmuggeln, dann muss man Hilfsleistungen einstellen. Es kann nicht sein, dass mit Steuergeldern menschenverachtende Systeme gestützt werden. Und wenn der Wackeldackel Karzai, der intern ohnehin als Marionette gehandelt wird, dabei über die Klinge springt, dann springt er halt. Das ist immerhin noch besser, als dass ein Präsident ein Gesetz unterzeichnet mit dem Wissen um die eigene Verfassung, welche festlegt, dass Männer und Frauen gleich sind – auch schiitische.