Nackig zum Flieger
Ehrlich, ich weiß nicht, was die Aufregung über die neuen NacktscannerW an Flughäfen soll. Nun hat man sich doch gerade jeglicher Würde und jeglichen Anstands, was die anlaßlose Überwachung unbescholtener Bürger betrifft entledigt. Ganz frei nach Mao hat nunmehr jeder die zentrale, lebenslang gültige Steuernummer, unsere Krankenakte befindet sich auf dem Weg zentral und schutzlos im Internet abgelegt zu werden, an jeder Ecke der Stadt hängen Videokameras, Fingerabdrücke im Personalausweis und automatisierte biometrische Scanner erfassen die Gesichter beim Betreten der Bahnhöfe. Was soll mich dann so ein bisschen Nacktscannen noch aufregen?! Einerseits und andererseits… bitteschön, wenn man mich bis auf meine natürliche Hülle detailreich durchleuchten will und mir andererseits diese entwürdigenden anderen Dauersicherheitsmaßnahmen, die trotzdem keine erhöhte Sicherheit bieten wieder abnimmt und diese stete Ungleichbehandlung von dunkelhäutigen, muslimisch wirkenden Menschen aufhört, die sich bei jeder sicherheitskritischen Gelegenheit bis aufs letzte Hemd ausziehen müssen, dann scannt doch.
Wir leben mittlerweile ohnehin in einer Welt, die sich kein abgedrehtes Hirn je hätte ausdenken können und vor 30 Jahren hätte man sowieso jeden für schier durchgedreht erklärt, der in seinen Visionen solcherlei Überwachung, wie wir sie heute haben vorhergesagt hätte, da kommt es auf so ein bisschen Nacktscannen auch nicht mehr an. Und diese parlamentarische Empörung ist jawohl der totale Griff ins Klo. Ich möchte mal wissen, wo die Empörung war als die totale Überwachung in Salamitaktik durch die Parlamente gejagt wurde?
Wenn man mich fragt, geht es bei der parlamentarischen Entrüstung gar nicht um irgendeine Würde. Es geht um Scham. Irgendwann offenbar muss es auch dem letzten Dummhapp eingeleuchtet haben, dass diese schicken Nacktscanner von unterbezahlten, möglicherweise der Unterschicht entstammenden Menschen bedient werden, die einen großen Spaß daran haben werden, Herrn Westerwelles Gemächt und Frau Merkels primäre Geschlechtsorgane am Stammtisch herum zu zeigen. Aber klar… wer nix zu verstecken hat, braucht auch keine Angst zu haben, war doch so… oder?
Bildquelle: YariK





4 Kommentare zu “Nackig zum Flieger”
10-26-2008
die wachsende schizophrenie dieser “demokratie” macht ja nicht mal vor ästhetischen affronts halt… oh jemineh… da war GATTACA aber besser…
10-27-2008
der letzte absatz ist der beste…..DANKE!!!!
11-2-2008
hier kann man nur eins machen: nicht mehr fliegen, fahrt mehr bahn. obwohl, dass geht auch nicht mehr….zu hause bleiben?
12-16-2008
[...] Eingriffe in unsere Privatsphäre, miese Gesundheitsversorgung, Ausverkauf unserer Krankheitsdaten, Nacktscanner auf Flughäfen, Finanzkrisen, schwachsinnige Verbote, noch schwachsinnigere [...]
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