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Gayromeo nervt User mit Werbung

28.08.08 | Link | 9 Kommentare

Gayromeo, das ist das unumstößliche All-In-One-Paket für die schwule Community. Jedenfalls war es das bislang. Es ist das soziale Netzwerk in dem “Mann” sich virtuell trifft zu welchem Zwecke auf immer. Neue Freunde lassen sich dort genau so gut machen wie flüchtige sexuelle Kontakte oder langjährige Beziehungen auf die Spur setzen. Für den Urlaub gibt’s den unerschöpflichen Community-Guide und Bed-&-Breakfast-Angebote zu Hauf. Sogar die Aids-Hilfen sind als Health-Supporter vor Ort und hat sich dem schwulen Mann mal eine unbekannte Laus in den Pelz gesetzt, findet sich auch dazu Rat.

Gayromeo oder seitens seiner Besucher auch liebevoll “Die Blauen Seiten” genannt hatte auch immer eine Meinung. Das machte es sympathisch, denn man konnte immer erkennen, dass dieses Gayromeo nicht nur ein gutes Produkt einer gesichtslosen Firma ist, sondern von Männern gemacht wird, die aus der Community kommen. Basis-Accounts gab es immer und für jeden kostenfrei. Unaufdringlich gab es natürlich immer den nachvollziehbaren Wunsch, auf einen wirklich bezahlbaren Plus-Account zu wechseln. Und die allermeisten Menschen, die jedenfalls ich in und über dieses Portal kenne oder kennen gelernt habe, machen das auch. Denn das vielleicht dickste Pfund von Gayromeo war immer, dass es frei von nervtötender und den User gängelnder Werbung war.

“Nein, im Ernst: Geld ist notwendig, um die Server, den Support und überhaupt den ganzen Betrieb zu bezahlen. Geld garantiert auch Entwicklung, Zukunft und vor allem Unabhängigkeit. Und diese Unabhängigkeit ist wichtig: wir müssen nicht unterwürfig vor Werbekunden kuschen und sie erst um Erlaubnis bitten, ob ihnen eine Neuerung genehm ist.” (Gayromeo über “Cash in die Täsch”)

Die werbefreien Zeiten sind rum. Gayromeo experimentiert seit gestern mit Werbeplatzierungen. Das macht – jedenfalls mich – etwas angebrannt, denn es ist eine dicke Scheibe, die Gayromeo von dem allgemeinen Gefühl “Gayromeo ist gut” abschneidet. Sicher ist natürlich, irgendwer muss die blaue Party bezahlen. Grafiker, Programmierer, Supporter wollen jeden Monat ein angemessenes Gehalt überwiesen bekommen. Server müssen gekauft werden und brauchen Strom und das ganze Ding läuft einfach nicht ohne professionelle Begleitung und Entwicklung. Gayromeo hat sich seit seiner Gründung 2002 ununterbrochen professionalisiert. Es wurden etliche Arbeitsplätze geschaffen. Das Portal blieb unabhängig und machte nicht den Eindruck, sich nur deswegen professionalisieren zu wollen, um sich selbst möglichst gewinnbringend an einen Investor veräußern zu wollen.

Auch wenn ich nicht glaube, dass ein solches in der Internetwirtschaft gern genommenes Szenario unmittelbar bevor steht, bin ich dennoch gewarnt. Es scheint doch wohl so zu sein, dass Gayromeo künftig zunehmend die Party von Werbekunden bezahlen lassen will. Wenn man nun als gut im Markt platziertes Unternehmen eine solch riskante Entscheidung trifft… riskant deshalb, weil sich die Plus-Kunden zurecht leicht verarscht fühlen dürften, da sie nun nicht nur für das Portal, sondern zusätzlich noch für Werbebelästigung zahlen, muss damit leben können, dass Plus-User ihre Zahlungen einstellen. Und genau das mache ich nun.

Schade finde ich übrigens, dass eine gestern an den Gayromeo-Support abgesetzte Anfrage bislang unbeantwortet geblieben ist. Auch nicht gerade vertrauensbildend.

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