Das Sommerloch

Datum: 02.08.2008, veröffentlicht in Sammelsurium, von Michael

Das Sommerloch ist bekanntlich ein Loch, dass sich sommers auftut, wenn so lange die Säue durchs Dorf getrieben werden bis eins hinein fällt. Eiskalt erwischte es ja als ersten Wolfgang Clement, der sozusagen ins Eisloch fiel, weil die Partei, der er mit Lebensleistung von gefühlten 100 Jahren gedient hat, ihn plötzlich nicht mehr lieb hat. Nun durfte die Landesschiedsstelle den unbeliebtesten CDU-Mann in der SPD ausschließen und die Bundesschiedsstelle wird ihn wieder einschließen. Als nächstes tat sich dann das Internetloch auf, das sich hinter der großen chinesischen Feuermauer befindet und rein fiel Jacques Rogge. Er sei sicher, sagte Jacques Rogge, er sei sicher, es würden trotz der Internet-Zensur schöne Spiele. Ja, genau… sehr schön… halt so schön wie es in einer Diktatur geht. Wie wäre es denn Herr Rogge, demnächst mit Spielen in Kuba? Da gibt’s ja auch noch so ‘ne schicke kleine Diktatur und die haben sich ihr Internet auch hübsch eingemauert.

Dann gab’s noch den Klassiker, der ja in jedes Loch fällt, das sich auftut. Bei dem ist es auch egal, ob gerade Sommer ist oder nicht: Unsere amerikanischen Freunde haben dem Zoll erlaubt staatlich geförderte Industriespionage zu tätigen. Du findest, das hört sich komisch an? Joo, finde ich auch, aber wenn der Zoll bei der Einreise in die USA “verdachtsunabhängig” den Inhalt mitgeführter Laptops betrachten, kopieren und Privatunternehmen überlassen kann, wie Heise berichtet, dann ist es Industriespionage, denn kaum ein Handelsreisender kann ohne geliebten Schleppi einreisen.

Wenn ich mal eine Prognose wagen darf, wer sich sonst noch in dem Loch einfinden wird in Kürze, dann dürfte das wieder einmal der Bund sein, der nun das Bundesmelderegister geschickt durch die Hintertür mithilfe der lebenslang gültigen Steuernummer eingeführt hat. Mal schauen, ob die Klagewelle beim Bundesverfassungsgericht ähnlich hoch ausfällt wie bei der Vorratsdatenspeicherung.

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