Stoppt die eGK … von unten
Widerstand gegen die kommende eGK (elektronische Gesundheitskarte), die den Bürger noch ein bisschen gläserner machen wird, formierte sich bisher vor allem aus der Ärzteschaft. Das Aktionsbündnis Stoppt die eCard gibt den Versicherten nun die Möglichkeit mithilfe der Patientenverfügung dem behandelnden Arzt zu untersagen, die Daten, die unter die ärztliche Schweigepflicht fallen, im Internet zu veröffentlichen. Dabei verpflichtet sich der Patient seiner Krankenkasse kein Foto für die eGK zur Verfügung zu stellen.
Nach Hochrechnungen werden künftig rund zwei Millionen Menschen relativ unkontrollierten Zugriff haben auf die eigene Krankenakte, in der Diagnosen wie Krebs, Aids, Diabetes, Suchterkrankungen, etc. stehen, die erstmal niemanden etwas angehen, der nicht mit deren Behandlung betraut ist. Jeder der angeschlossenen Arzt- und Zahnarztpraxen, Krankenhäuser, Krankenkassen, Sanitätshäusern, Psychotherapeuten, Apotheken und diverserer weiterer Berufsgruppen im Gesundheitssystem haben Zugriff darauf.
Allein die Tatsache, dass die Daten auf zentralen Servern im Internet gespeichert werden, zeigt wieder mal überdeutlich, dass das Gesetz von Menschen gemacht ist, die keinerlei Ahnung haben, was sie da tun. Denn es wird immer Sicherheitslücken geben. Es existiert keine Software, die frei von Sicherheitslücken ist und gesetzte Barrieren gegen unautorisiertes Eindringen werden sich immer überwinden lassen. Hinzu kommt die Neigung des Menschen zur Datenschlamperei. Man denke in diesem Zusammenhang an die Datenlecks im Melderegister, verlorenen Datensätzen und abhandengekommenen Backups, Notebooks mit gespeicherten Passworten u.ä.
Arbeitgeber werden der Versuchung, die kritischen Details des Bewerbers habhaft zu werden, reihenweise vor der Einstellung erliegen. Für Krankenschwestern und Arzthelferinnen wird sich da künftig ein lukrativer Markt mit Zusatzeinnahmen eröffnen. Und will man als Unternehmer – des guten Namens wegen – aus der Illegalität in Sachen Datenabfrage heraus, kauft man sich halt eine kleine Pflegedienstklitsche für den direkten Zugriff… wunderbare Welt und alles so schön durchsichtig.
Die meisten Teilnehmer an der eGK sind ja praktischerweise auch Arbeitgeber, also bevor ich in meiner mäßig laufenden Praxis eine Schwangere oder eine chronisch Kranke beschäftige, die ordentlich Kohle kostet und oft ausfällt, werfe ich doch mal einen kleinen kostensparenden Blick in die öffentlich verfügbare Krankenakte.
Ich denke, der Punkt ist klar geworden und auch wenn von den diversen Unerschrockenen gerne die Aussage kommt “Ich hab ja keine Geheimnisse” sollte spätestens jetzt klar sein, welch manigfaltige Möglichkeiten anderer man an der eigenen Krankenakte nicht verwirklicht sehen will.
Und der Deal ist einfach: Kein Bild an die Krankenkasse und deinen Ärzten eine entsprechende Patientenverfügung übern Schreibtisch geschoben. Das wird nicht für immer schützen, aber es zeigt den Widerstand gegen die weitere Vergläserung normaler Menschen.
Ach ja…, ich vergaß: Eine wunderbare Sammlung zum Thema findet sich im DocBlog… los, lesen!




2 Kommentare zu “Stoppt die eGK … von unten”
7-13-2008
[...] Michael zu lesen: Stoppt die EGK (elektronische Gesundheitskarte) von unten. Gaaaanz wichtiger Artikel. Über die dringende Notwendigkeit, dieses teure und [...]
11-7-2008
[...] sind: Die Krankheitskarte ist nach wie vor aktuell! Wer sich nicht wehrt, dem droht das hier, und dieses, und [...]
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