Frankreich: Der Islam ist da… Hurra.
Das ist er ja schon lange in Europa, das wissen wir alle. Und dass sich der Islam mit seinen religiösen Eigentümlichkeiten nicht so wirklich mit freiheitlich-demokratischen Grundordnungen deckt, wissen wir auch. Für absurd jedoch hielt ich bisher die Idee, die islamische Rechtsordnung könnte Einzug in europäische Rechtsprechung halten. Aber, wie uns ein Gericht im französischen Lille zeigt, muss man sich nun auch von dieser Hoffnung verabschieden.
Eine Ehe wurde annuliert, weil die muslimische Frau des muslimischen Ehemannes diesem vor der Eheschliessung verschwiegen hat, dass sie keine Jungfrau mehr ist.
Diesen Brocken muss man erstmal schlucken, denn so das Gericht in der Urteilsbegründung, der Mann sei über “wesentliche Eigenschaften” seiner Frau getäuscht worden. Hurra, es ist also eine wesentliche Eigenschaft von Frauen, ob ihr Hautfitzelchen noch da ist oder nicht.
Übersetzt man diese absurde Urteilsbegründung korrekt, hiesse das, es ist eine wesentliche, ja nun offenbar fehlerhafte Eigenschaft der Frau sexuell aufgeklärt zu sein und mit ihrer aufgeklärten und erfahrenen Sexualität lustvoll umgehen zu können.
Ich finde, dieses sehr spezielle Urteil hat einen besonderen Beigeschmack. Es ist zwar richtig, die Justiz soll frei sein, verpflichtet ihrem Gewissen und dem Volk, dem sie dient. Dennoch darf diese Freiheit unter keinen Umständen, den freiheitlich-demokratischen Rahmen verlassen, der bestimmt, dass Justitia blind zu sein hat. Weder Religion, noch Hautfarbe, noch Herkunft oder sexuelle Präferenz dürfen eine Rolle spielen. Und schon gar nicht die abartigen persönlichen Ansichten eines Richters oder Gerichts. Ich hoffe, dieses sonderbare Urteil war ein Ausrutscher und nicht der Dammbruch, der noch viele islamisch gefärbte Urteile folgen läßt.
Quelle: tagesschau.de




43 Kommentare zu “Frankreich: Der Islam ist da… Hurra.”
5-30-2008
Das Urteil hat aus meiner Sicht nichts mit dem Islam zu tun oder mit der Frage, ob eine Frau als Jungfrau in die Ehe gehen soll. Auch in Deutschland wäre eine solche Entscheidung möglich, weil § 1314 BGB vorsieht, dass eine Ehe bei Täuschung aufgehoben werden kann. Dabei kommt es darauf an, ob es nachvollziehbar ist, dass gerade dieser Ehepartner bei Kenntnis des Umstandes die Ehe nicht eingegangen wäre. Und das ist es hier wohl. Den sie hat eben in einen sehr konservativen Kreis geheiratet und für den von ihr gewählten Ehemann war dieser Umstand wichtig.
Auf das Jungfernhäutchen kommt es nicht an, sondern auf das entäuschte Vertrauen. Wäre er zB absoluter Startrek-Fan gewesen und sie hätte ihm verschwiegen, dass sie Startrek hasst wie die Pest, dann hätte eine ähnliche Entscheidung ergehen können und man würde sich auch nicht über eine Startrekisierung der Welt aufregen.
5-30-2008
@Brandau: Das Erlernen einer selbstbestimmten und lustbetonten Sexualität kann wohl kaum als arglistige Täuschung hergenommen werden. Im Gegenteil. Menschen ohne entwickelte selbstbestimmte Sexualität sind in ihrem Sein eher verstümmelt. Und ob der Kreis, in den ich heirate, aufgeklärt, liberal oder sonstwas ist, darf jawohl gar keine Rolle spielen.
Wenn ich hingehen vor der Ehe unterschlage, dass ich verschuldet bin bis zum Haaransatz oder gesessen hab oder noch anderweitig verheiratet bin oder war, dann mag eine Annulierung in Betracht kommen. Selbstverständlich hat das Urteil etwas mit dem Islam zu tun. Stellen wir uns vor, das Paar wäre christlich oder vollkommen glaubensfrei gewesen, wäre das Urteil absolut absurd!
5-30-2008
Für dich und auch für mich ist die Entscheidung des Ehegatten nur mit einer Jungfrau in die Ehe zu gehen nicht übertragbar. Aber das sie im aus seiner Vorstellung heraus wichtig ist kann ich nachvollziehen.
Die Entscheidung stellt nur darauf ab, dass der Ehegatte nicht in eine Ehe gezwungen werden soll, bei dem derjenige, den er heiraten wollte ihn über einen umstand getäuscht hat, der für ihn wichtig ist. Das ist hier zufällig die Jungfräulichkeit. Wenn sie vorgetäuscht hätte, dass sie Vegetarierin ist, weil sie genau weiß. dass er nur eine Vegetarierin heiratet und kaum sind sie in der Hotelsuit schon bestellt sie sich über den Zimmerservice einen dicken Hamburger wäre es die gleiche Lage gewesen. Dann hätte man auch nicht darüber diskutiert, dass Fleisch schon immer bestandteil unserer Nahrung war oder dem Gericht vorgeworfen es benachteilige Fleischesser – es wäre lediglich darum gegangen, dass sie ihn in einem für ihn wichtigen Punkt, der nicht vollkommen jeder Grundlage entbehrt, getäuscht hat.
Was wäre außerdem die Konsequenz gewesen? Wäre die Ehe nicht annulliert worden, dann hätte er sich scheiden lassen. Hätte das irgendwas gebracht oder hätten sie sich dadurch besser verstanden?
5-30-2008
Es ist mir dennoch vollkommen unnachvollziehbar, denn Menschen entwickeln sich und ändern sich und manchmal ändern sie sich auch ganz schnell, von daher paßt dieses Vegetarier-Beispiel m.E. gar nicht. Jungfräulichkeit ist nichts, was ich von einem Menschen erwarten darf. Er kannte sie und beide zusammen haben sich freiwillig zur Ehe entschlossen.
Diese Entscheidung gießt Öl in das Feuer des Kampfes der Kulturen und darf so nicht hingenommen werden und darf so nicht stehen bleiben.
Ich verstehe deine Argumentationskette, innerhalb einer bestimmten religiösen Weltsicht, den radikalen Katholizismus würde das genauso betreffen, auch nachvollziehbar, aber die europäischen Gesellschaften haben sich entschlossen Kirchen und Staat voneinander zu trennen.
Wenn dieser Mann enttäuscht darüber ist, dass diese Frau nicht seinen Vorstellungen entspricht, dann geht eine Scheidung. Niemand ist gezwungen, in einer Eher zu bleiben.
5-30-2008
was ein urteil. das macht sorgen. im 21. jahrhundert erst recht. zumal die ganze bigotterie konservativer katholischer und islamischer kreise jahrhundertelang sattsam den vorehelichen geschlechtsverkehr als hymen-erhaltenden analverkehr praktiziert.
die einlassungen des herrn brandau kann ich nicht mal mit dem mir eingeborenen britischen humor goutieren. § 1314 befasst sich schließlich mit arglistiger täuschung…
in was für einer gesellschaft leben wir eigentlich? demokratur 2008 mit frei flottierender “rechts”sprechung oder was?!
frau jacobs meint, das ist die krönung….
5-30-2008
nachtrag: habe soeben 3 familienrechtler konsultiert: die logische konsequenz in europäischer demokratie wäre eine scheidung. keine annulierung.
5-30-2008
ach, und noch was: in den frühen 80ern des vergangenen jahrhunderts, also 1980 ca, hat ein chefarzt einer gynäkologischen abteilung eines christlich-konfessionellen (!!!!) krankenhauses mit einverständnis der (kirchlichen) krankenhausleitung sich und der klinik richtig viel geld reingefahren, weil er “kaputte” jungfernhäutchen islamischer patientinnen aus den emiraten (nicht aus europa!) mikrochirurgisch in stundenlangen operationen wieder eingebastelt hat…. die ärztliche ethikkomission hat das dann verboten… schon vor ca 30 jahren wohlgemerkt…
5-30-2008
@doc sarah
warum soll es keine arglistige Täuschung sein (also eine vorsätzliche Täuschung) wenn sie, wie sie selbst sagt, genau wusste, dass er die die Ehe nicht schließen will, wenn sie nicht mehr Jungfrau ist? über diesen Umstand hat er sie dann doch wohl getäuscht.
Haben sich die Familienrechtler denn mit § 1314 BGB auseinandergesetzt in den 5 Minuten, die sie zwischen deinen zwei Beiträgen Zeit hatten?
Und was ist besser an einer Scheidung? Sie kann doch eigentlich froh sein, dass sie den Kerl so schnell los wird.
5-30-2008
herr brandauer, ich habe die zitierten familienrechtler breits bei erscheinen des artikels hier befragt. und nicht zwischen zwei kommentaren.
mich sorgt auch nicht die schräglage der ehepartner, sondern die umdeutung europäisch demokratischen rechtes.
nebenbemerkung: sie sind fast 20 jahre jünger als ich – und ich verstehe ihre erzkonservative haltung offengestanden nicht
5-30-2008
@Michael
Warum kann er nicht erwarten, dass eine Frau, die genau weiß, dass er idiotische Vorstellungen hat die für ihn so wichtig sind, dass er sie bei deren Vorliegen nicht heiraten würden, ihn über diese nicht belügt? Das leuchtet mir nicht ganz ein.
Er kannte sie in diesem Punkt eben nicht.
Das ist meiner Meinung nach auch der wesentliche Unterschied: Hätte sie nicht gewußt, dass es ihm wichtig ist, dann hätte er sich scheiden lassen müssen. Denn dann wäre keine Täuschung vorhanden gewesen.Gerade das macht deutlich, dass hier Ursache für die Annullierung nicht “vorehelicher Sex ansich” sondern die Täuschung über einen für ihn wichtigen Umstand ist. Dieser ist in diesem Fall zufällig religiös motiviert. warum soll er deswegen anders behandelt werden als ein sonstiger wichtiger Umstand aufgrund dessen die Ehe annulliert hätte werden können?
5-30-2008
@Brandauer: Versuchen wir das doch jetzt mal andersrum. Angenommen ich würde eine Frau heiraten, obwohl ich auch gerne Sex mit Männern hab und genau weiß, sie kommt aus gutem katholischem Hause, dass sie mich nicht heiraten würde, wenn sie von der IHR unbekannten Seite wüßte. Wäre es nicht absurd, würde ein deutsches Gericht unsere Ehe annulieren?
5-30-2008
das wirklich interessante wie skandalöse, sind doch die Reaktionen darauf! Wenn derartige Verharmlosungen unter dem Deckmäntelchen schief auszulegender Paragraphen hier Einzug erhalten, sind es genau diese Dinge, die durch die Hintertür Einzug halten und wo sich Jahre später die Menschen fragen: WIESO HABT IHR NICHTS GEMACHT!!??
5-30-2008
@ just me: recht haste!
@ michael: die ehe würde nicht annulliert, sondern geschieden – lege artis eben…
5-30-2008
zumal ist hier die Rede von “wesentlichen Eigenschaften”, über die hinweg getäuscht wurde. Ich glaube, man sollte hier ganz vorsichtig sein, mit dem was man tut. Das westliche Rechtssystem dafür zu benutzen, derartigen Sitten Einzug zu gebieten, halte ich für sehr sehr gefährlich.
5-30-2008
@just me: Sehe ich genauso. Es gab ja bereits vor einiger Zeit, ziemlich abgrehte Ideen in UK Teile des islamischen Rechtssystems zu übernehmen. Ich denke, es ist geradezu verharmlosend und ganz nebenher diskriminierend benachteiligend, solcherlei Tendenzen zuzulassen.
5-30-2008
@Doc Sarah
Ich persönlich würde nie mit einer jungfräulichen Frau in die Ehe gehen wollen und würde das auch keinem anderen raten.
Wer es aber für sich so entschieden hat und dies auch nach außen deutlich macht, der mag das gerne tun, er tut damit ja erst einmal niemanden weh. Er hat dann auch das Recht in diesem Punkt von einer zukünftigen nicht Angelogen zu werden.
Genauso könnte ich ihnen vorhalten, sie würden die Lüge unterstützen. Das aber ist sicherlich nicht ihre Intention.
Es geht in Richtung Voltaire:
“Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.”
Wenn ich das Recht verteidige, dass jemand den Umstand, dass seine Ehefrau Jungfrau ist, wichtig findet und dies zur ihr bekannten Grundlage seiner Entscheidung machen darf, sie zu heiraten, dann bedeutet es nicht, dass ich das gutfinde.
5-30-2008
ja, genau das ist mir noch im ohr….die scharia für die Muslime….
5-30-2008
Ich sehe einen Unterschied zwischen einer Meinung und einem Richterspruch. Gerade bei dieser Thematik. Wir unterhalten uns doch nicht über Häkelmuster?? Ein bisschen politische Weitsicht hätt ich dann doch ganz gern….
5-30-2008
und wieso sagt niemand etwas über den gefallenen Begriff “wesentliche Eigenschaften”????
5-30-2008
@Brandauer: Es wird nicht die Lüge unterstützt, sondern es unterstützt die gesunde Realität, dass Geheimnisse und Intimitäten wichtig sind für Menschen. Es gibt immer ein Leben vor dem jetzigen Partner.
Menschen, egal ob Frauen oder Männer, egal ob bi, hetero, schwul, lesbisch müssen in ihre Sexualität einziehen wie in ein neu gebautes Haus und sich in diesem ihrem sexuellen Haus einrichten, und das geht bei Frauen nun mal nur mit zerlegtem Jungfernhäutchen.
Es ist vollkommen egal, ob es dem künftigen Gatten wichtig ist oder nicht. Dann könnte ihm auch die Haarfarbe wichtig und wenn ich innerhalb eines Jahres ergraue oder meine Haarfarbe nach dunkelgrün wechsle, wäre es ein genauso guter oder schlechter Grund zur Annulierung.
5-30-2008
@just me: ich hab im Artikel selbst etwas gesagt dazu, was ich von “wesentlicher Eigenschaft” in bezug auf zwei Quadratzentimeter Haut halte
5-30-2008
ich meinte auch gar nicht dich ;)
5-30-2008
ich verlinke gleich einen artikel in meinem blog…. und hol das bodensee blogger barcamp herbei… ;-)
5-30-2008
Wenn der Richterspruch die Meinungsfreiheit schützt besteht da wenig Unterschied. Es wird dann auch keine Billigung der Meinung ausgesprochen, sondern lediglich das Recht sie zu haben und zu äußern.
Genauso ist es doch hier. Der Richter hat nicht gesagt, dass Frauen jungfräulich in die Ehe gehen sollen. Er hat nur gesagt, dass sie ihren Zukünftigen nicht anlügen sollen, wenn dies bekanntermaßen für ihn ein absolutes Ausschlusskriterium ist.
Wo besteht eigentlich ihre Schutzwürdigkeit?
Vor der Heirat:
Er: Wenn du Eigenschaft A hast heirate ich dich nicht!
Sie: okay
Nach der Heirat:
Sie: Ich habe übrigens Eigenschaft A!
Er: Dann fühle ich mich getäuscht und möchte die Ehe annullieren
Als Eigenschaft A kann man jetzt einsetzen was man möchte. Eine islamische Sicht wird dadurch nicht bevorzugt. Ich finde das durchaus angemessen
Eure Ansicht liefe ja jetzt darauf hinaus, dass man sagt “Sie hat dich zwar vorsätzlich getäuscht in dem Wissen, das du nur so zu einer Heirat bereit bist , aber es ist nicht so schlimm. Es ist eh besser für dich, wenn sie Ahnung von Sex hat. Das widerspricht zwar allem was du glaubst und du wirst niemals mit dieser Frau zusammenleben, aber das ist rückständig, wir wissen es besser. Finde dich damit ab.”
Mit nachträglichen Gründen hätte er auch keine Annullierung bekommen. Wesentlich ist das sie ihn bewusst getäuscht hat und er nur deswegen die Ehe eingegangen ist. Wenn die Haarfarbe innerhalb der Ehe wechselt liegt keine Täuschung vor. Die Situation ist also nicht vergleichbar.
5-30-2008
hier noch ein kleiner Ausschnitt aus dem Originalartikel:
“Elisabeth Badinter hingegen sagt, die Frau habe gar nicht die Freiheit gehabt, ehrlich zu sein: “Man kann sich sehr leicht vorstellen, dass sie weder ihrer Familie noch ihrem künftigen Ehemann die Wahrheit darüber sagen konnte, dass sie keine Jungfrau mehr war. Deshalb sind ja so viele junge muslimische Frauen dazu gezwungen, einen chirurgischen Eingriff vornehmen zu lassen, um ihr Jungfernhäutchen reparieren zu lassen. Sonst geschieht ein Drama.”
Warum können wir nicht das Urteil im gesellschaftlichen Zusammenhang diskutieren? mit den Punkten, die ich oben angesprochen habe??
5-30-2008
Wenn ich zwanzig Jahre lang, meinem Partner einen Orgasmus vortäusche, um ihm das Gefühl zu geben, ein Held im Bett zu sein und ihm dann in einer schwachen Stunde sage, dass ich in all der Zeit nicht einmal Spaß hatte sexuell, aber er sozial und überhaupt mein Held ist, hat er dann einen Grund, diese Verbindung annulieren zu lassen?
5-30-2008
[...] dieser merkwürdigen Entscheidung. Nachzulesen in der wirklich spannenden Diskussion im Stresstoy-Blog. Random Reading in Avalon Martha Argerich in Düsseldorf und der europäische Präventionstag in [...]
5-30-2008
wahrscheinlich. dazu müsste er vielleicht beweisen, daß ein real stattgefundener Orgasmus ein wesentlicher bestandteil seiner entscheidungsfindung gewesen ist, dich zu heiraten.
5-30-2008
@justme: Man kann das Thema nur und ausschließlich in gesellschaftlichem Zusammenhang diskutieren, aber die Zusammenhänge sind weit gefächert. Auf dem bunten Teller finden sich interkulturelle Differenzen, sexuelle Befreiung, Diskriminierung und Gleichberechtigung, Rollenverständnisse, etc.
Genau genommen gehört das Thema der Ehrenmorde und Familienschande auch hier rein. Normalerweise rede ich an dieser Stelle nicht über die Kinder, mit denen ich arbeite, aber mit diesem meinem Background ist dieses Urteil skandalös, denn es unterstützt jeden islamen Vater in seiner Ansicht, die Tochter sei sein persönliches Eigentum und übergebe dieses persönliche Eigentum in das Eigentum des Mannes, den sie heiraten muss.
5-30-2008
wie krank kann so eine diskussion eigentlich werden?! in sarkozys frankreich und im hiesigen überwachungsstaat, der vor lauter islamischer terorabwehr ohnehin jedes maß und ziel verloren hat?!
5-30-2008
@ michael # 29 –
“mit diesem meinem Background ist dieses Urteil skandalös, denn es unterstützt jeden islamen Vater in seiner Ansicht, die Tochter sei sein persönliches Eigentum und übergebe dieses persönliche Eigentum in das Eigentum des Mannes, den sie heiraten muss.”
– und das ist der skandal, den dieser jungjurist einfach negiert…. und sarkozys chergen in frankreich auch…
5-30-2008
@Michael:
Nein, derjenige muss durch eine Täuschung zur Ehe veranlasst worden sein. In dem Beispiel fehlt es an einem Kausalzusammenhang zwischen dem Vorspielen des sexuellen Spasses und der Ehe.
@just me
Weil das Urteil von der Frage zu trennen ist, inwieweit Jungfräulichkeit in der Ehe eine Sache ist, die man erwarten sollte.
Ähnlich wie man bei einem Urteil, dass die Meinungsfreiheit schützt nicht das Urteil verdammen darf, weil einem die Meinung nicht gefällt.
Es geht meiner Meinung auch nicht darum, ob sie die Freiheit hatte die Wahrheit zu sagen. Denn sie hatte natürlich die Freiheit, sich einen anderen zu suchen. Die beiden waren ja nicht in einem Zwangsverbund, der keinen anderen Ausweg als die Heirat zuließ.
Aber zum praktischen: So ein wenig Blut für das Lacken, dass hätte sie ja auch gerade noch mal präparieren können. Da hätte sie die Hochzeitsnacht einfach auf ihre Tage gelegt und schon hätten sie glücklich sein können.
5-30-2008
ich finde es beschämend, daß ein westliches rechtssystem derart instrumentalisiert werden kann, um die möglichkeit, sich frei zu entfalten, einzuschränken…
5-30-2008
Es gibt sicher eine Anzahl liberaler Muslime, keine Frage, die auch keinen Eigentumsanspruch an ihren Töchtern haben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau sich in einer Zwangssituation befand ist hoch und wer behauptet, dass man knietief verwurzelt in diesem Hardcore-Islam, in dem die westlichen Gesellschaften das Feindbild persé sind, man noch die Wahl hat, sich einen anderen Mann zu nehmen, der verleugnet gefährlich die Realität. Der nimmt auch in Kauf, dass die eine oder andere Frau, die sich befreien will aus diesen kulturellen Zwängen, leider per Ehrenmord über die Klinge springt.
5-30-2008
@doc sarah
Ach, wenn der Jungjurist der Meinung ist, dass sie sich entweder einen modernen Mann hätte suchen sollen oder aber ihm hätte sagen sollen ” ich hatte schon Sex, komm damit klar oder es wird nichts mit uns” macht er die arme zum Eigentum der Männer (Vater und zukünftiger Ehemann). Tut mir leid aber in meiner Version kommt mir die Frau wesentlich emanzipierter und freier vor,
Um so paradoxer, weil sie damit ja aus dem “Eigentum” ihres Mannes und ihres Vaters befreit wird indem die Ehe mit diesem zweifellos unmodernen Mann schnellstmöglich beendet wird.
5-30-2008
@justme
Sie kann sich doch jetzt – von den Ehefesseln befreit – wieder frei bewegen. Und er ist ebenso frei sich eine Frau zu suchen, die ebenfalls meint, dass sie besser unbefleckt in die Ehe geht.
5-31-2008
@brandau
diese antwort wird der bedeutung des urteils (und auch der evt daraus folgenden politischen tragweite) in keinster weise gerecht. diese situation ist in zusammenhang mit antiquierten moralvorstellungen und auch wertigkeitsvorstellungen zu sehen. wir sind nicht in diesen strukturen aufgewachsen!
5-31-2008
Was bitte ist denn die politische Tragweite?
Werden Frauen zu etwas gezwungen? Nein.
Billigt der Staat die antiquierten Moralvorstellungen? Nein, denn die Entscheidung wäre bei modernen Moralvorstellungen, die er zur Grundlage der Ehe macht und über die sie lügt genauso ergangen. Es ist kein islamisches Sonderrecht, sondern ein allgemeines Recht, dass für alle Wertvorstellungen, eben auch islamische, greift
5-31-2008
Sie lügt nicht und das ist ein entscheidender Punkt. Sie behält etwas für sich über das niemand Auskunft verlangen kann und das vollkommen unbeutend ist dafür, ob eine Ehe gelingen kann oder nicht.
5-31-2008
…und es ist ignorant zu sagen, du hast das Recht das eine oder das andere zu tun, wenn in der Parallelwelt andere Gesetze gelten. Und wir können nicht so tun, als wäre es nicht so. Die Integration ist in Frankreich noch viel stärker gescheitert als bei uns. Die interkulturellen Klüfte sind tiefer. Das zu verneinen, hilft niemandem.
5-31-2008
eben!
6-5-2008
Im Grunde ist die aktuelle Situation so:
- Das Paar bestimmt selbst, was es für wichtig hält.
- Wenn der oder die eine dabei lügt oder etwas in der Hinsicht dieser wichtigen Sachen schief geht, und da sin einer angemessenen Frist, kann die oder der andere die Hochzeit annulieren lassen. Die Hochzeit wird als “Irrtum” erkannt und gecancelt. Es ist schneller, einfacher und weniger aufwändig als eine Scheidung. Dabei wird keine Strafe oder Entschädigung gesprochen, der Lügner trägt nur die Justizkosten.
Wenn es ein christliches Paar gewesen wäre, hätte man 2 Möglichkeiten gehabt:
- Entweder es wären “zivilisierte” Christen gewesen, sie hätten nicht so viel Wert auf die Jungfräulichkeit gelegt, und die Frage hätte sich nicht gestellt
- Oder es wären Radikale gewesen, und die Geschichte wäre genauso gelaufen wie diesmal.
In allen Fällen muß man auch im Kopf haben, dass der Richter nicht stur nach dem Gesetz urteilt, sondern im Interesse aller Partien, und dass es für diese junge Frau aus einem rückständigen Milieu EVENTUELL weniger schlimm ist, nur nicht-mehr-jungfräulich (mit einem schnell gescheiterten Eheversuch) als geschieden zu sein. Könnte also sein, dass ein anderer Fall anders verläuft.
Der schwule Gesellschaftsbeobachter der Zeitung “Libération” äußert die cleverste Meinung darüber:
- Entweder man lässt jedes Paar entscheiden, was es für wichtig hält. Es bedeutet mehr Freiheit, aber es bedeutet auch Ehestornierungen für dumme Motive wie “sie hat gesagt, sie möge Fußball, aber es war gelogen” und gleichzeitig auch die Freiheit, religiös radikal zu sein. Es ist der aktuelle Fall.
- Oder der Gesetzgeber entscheidet von vornherein, was überhaupt als wichtig empfunden werden darf. Es bedeutet weniger Freiheit, und höchstwahrscheinlich Diskriminierungsfälle (z.B. behinderte Personen oder impotente Männer oder Zeugungsunfähige, usw. können nie heiraten, weil im Gesetz steht, dass es wichtig für die Ehe ist).
- Dadurch, dass es in Frankreich parallel zur Eheschließung noch den PACS gibt (zivile Partnerschaft, auch für Schwule), der viel freier ist, ohne Eingriff der Justiz bei einer Scheidung usw., könnte man ruhig die echte Hochzeit ein bißchen strenger machen, um den Religionsradikalen den Wahn zu vertreiben.
- Allerdings ist es definitif ein Paradox, wenn die Selben, die eben diese Freiheit erkämpft haben, plötzlich für mehr Regulierung und strengere Gesetze plädieren!
Im Grunde genommen ist diese Geschichte nur ein Epiphänomen, ein Ergebnis unter zahllosen des dramatischen Menschenimports aus Algerien der 70er Jahre – genauso wie die Randallen in den Vororten, die Streiks der angegriffenen Busschaffner, usw. usw. usw.. So eine Katastrophe kann kein einzelner Richter und auch ein Gesetz über die Eheschließung retten, es ist leider viiiel tiefer. Ich kenne persönlich keine Lösung und lebe deswegen lieber WEIT WEG von da, wo ich groß geworden bin (der Supermarkt, wo meine Mutter alle 3 Tage einkaufte, wurde einmal von einer Gang komplett zerstört; die Kinder, den sie unterrichtet, organisieren mit 12 oder 13 Schulfetenüberfälle in der Nachbarstadt, meinem Bruder ist 2mal ein Dolch unter den Hals gedrückt worden, usw. – dagegen ist die traurige Geschichte dieser 2 moslimischen Idioten wirklich pipifax).
7-26-2008
dieses urteil hat sehr wohl was mit islam zu tun.den ein europäer (christ) käme niemals auf die idee,jungfräulichkeit als scheidungsgrund anzugeben.
ferner,dieses urteil ist keineswegs normal.denn scheiden kann man sich zwar schon wegen täuschung,nur das ist hier nicht die frage. die frage ist ob diese täuschung auch relevant ist.und jungfräulichkeit zu verheimlichen ist täuschung,aber keine RELEVANTE täuschung zumindest nicht in einer europäischen gesellschaft.in diesenm sinne ist das sehrwohl ein RÜCKSCHRITT für europa.
ansonsten kann ich mich genausogut scheiden lassen,wenn ich glaube eine gute köchin zu heiraten,oder eine die gut im bett ist…und so weiter.es geht hier um die relevanz der täuschung,und zwar muss diese täuschung relevant für die GESELLSCHAFT sein,und nicht nur SUBJECTIV relevant sein.ein gerichtsurteil ergeht im namen des VOLKES.was für ein RÜCKSCHRITT
Sag was...