Scheindebatte ums Arschgeweih
von Michael
Bildquelle: madphoenix*
So manche jugendliche Rückansicht ziert das oft ganz unzierliche Arschgeweih. Kindliche Zungen sind durchlöchert und im Ohr reicht längst nicht mehr das Monoloch. Ganze Symphonien eingestanzter Lochungen haben sich in die früheste Jugend und die delikatesten Körperteile geschlichen. Die schweren Edelstahlklunker am Bauchnabel eigentlich Realität, jedenfalls genauso Realität wie die lieben Kleinen schon früh das mobile Plapperfon am Ohr brauchen und ohne Computer und Internet geradezu soziale Verelendung droht.
Seit Tagen, ganz so als gäbe es sonst nichts mehr zu berichten, hat sich die Diskussion ums jugendliche Arschgeweih und neue Nase zum Abitur in die Berichterstattung geschlichen. Alles fing an mit dem Abiturgeschenk der kleinen Brustkorrektur bei bestandenem Abi und wurde nun seit Tagen unterfüttert mit Tattoos und Piercings. Allgemeiner Tenor: Das gehört verboten.
Ja… verboten scheint ja hierzulande das neue alte Modewort zu werden, denn es ist doch wohl so: Man kann über die geschmacklichen Befindlichkeiten streiten. Lange, ausgiebig und sinnentleert. Sicher man kann jegliche jugendliche Verschlimmbesserungsidee des eigenen Körpers verbieten. Jedoch erinnern wir uns an unsere eigene schlimmste pubertäre Zeit des Lebens gilt die Formel: Je verbotener desto interessanter.
Aber natürlich auch die Idee, dass 20 Prozent verunfallte Tätowationen und versaute Piercings, die übelsten Infektionen nach sich ziehen zu hoch sind. Jedoch gilt das jawohl nicht nur für den Jugendlichen, sondern für alle. Eine Scheindebatte ist es also meines Erachtens deswegen, weil man etwas ganz anderes mit etwas ganz anderem eindämmen möchte. Wenn man denn also möchte, dass Tattoostudios sauberer arbeiten und das Risiko für Erkrankungen durch Tattoos und Piercings sinken soll, dann ist der Ansatz, es auf jeden Fall schon einmal den Teenies zu verbieten jawohl eine ganz falsche Idee, weil völlig sinnfrei. Wer seine Haut knallbunt anmalen möchte und das bitteschön dauerhaft für die kommenden 80 Jahre, der möge das doch bitte tun. Wenn man sich die Genehmigung der Eltern vorab einholt, reduziert das den häuslichen Stress beim nächsten gemeinsamen Badeurlaub erheblich.
Und um das eigentliche Ziel der Verbesserung der Hygiene-Standards zu erreichen, bedarf es dann jawohl einer wirksamen Hygienevorschrift für Tattoo- und Piercingshops, und damit es nicht nur auf geduldigem Papier steht, sondern auch befolgt wird, empfindliche Strafen und neue Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden, damit die neuen Vorschriften denn auch flächendeckend wirksam werden.
Irgendwie scheint es auch hier genau wie immer zu laufen in dieser Bananenrepublik. Aber genau genommen und wir wollen es doch wohl genau nehmen… wer Terroristen mit Minikameras im häuslichen Wohnzimmer bekämpft, der hat’s auch schon nicht mehr besser verdient, finde ich.

Das schlimmste ist ja wenn die Kurzen sich vor lauter Verboten dann noch selber mit Tusche, Nadel und Nähgarn “tätowieren”. Und sich vorher noch Mut antrinken müssen…
[...] damals mit Hair und heute mit Piercing [...]