H.M. Broder im Spiegel: Endlich ein Meinungsbildner mit Meinung

von Michael

Fitna

Eins vorweg: Ich habe den seit Tagen mit außerordentlicher Vorsicht kommentierten Film “Fitna” des niederländischen Parlamentariers Geert Wilders gesehen, bevor er aus den offiziell zugänglichen Quellen verschwand im vorauseilenden Gehorsam. Nein, der Film ist nicht gut, insbesondere nicht gut gemacht. Jede Schüler-AG, die sich mit der Erstellung von Medieninhalten beschäftigt, hat deutlich mehr drauf. Aber darum geht es ja gar nicht. Der Film ist einseitig verdichtet, meinetwegen auch provozierend.

Der eigentliche Skandal ist aber im Grunde genommen nicht Wilders Video, sondern der Umgang der Meinungsmacher und Regierungsvertreter damit, die fast allesamt im vorauseilenden Gehorsam abwiegeln, dass derlei Provokationen nicht hätten sein müssen und man die islamistische Öffentlichkeit bittet, friedlich zu reagieren. Die Frage stellt sich, warum darf derlei Provokation nicht sein? Ist es in einer Demokratie, in welcher Meinungsfreiheit gelten sollte, nicht mehr möglich, seine Meinung, auch wenn sie möglicherweise abgedreht oder einseitig verdichtend ist, frei zu äußern? Ist es nicht mehr möglich, eine Debatte darüber anzustoßen, ob es nicht möglicherweise Sinn machen würde, uns Anfänge zu erwehren, die wir in ihrer ganzen Pracht und Schönheit ganz bestimmt nicht verwirklicht sehen wollen?

Einer der wenigen, die sich getraut haben, das Kind unserer eigenen Feigheit beim Namen zu nennen, ist der Journalist Henryk M. Broder im Spiegel-Onine-Artikel “Der Populist, der keiner ist“. Man muss Herrn Broder recht geben, die westlichen und sich freiheitlich schimpfenden Gesellschaften sind feige geworden. Ist es nicht möglicherweise sogar ein Niedergangs-Symptom, wenn Volksvertreter und Meinungsmacher mittlerweile mit soviel Feigheit ausgestattet sind, dass sie es nicht mehr schaffen, sich in aller Öffentlichkeit dazu zu bekennen, dass man die Meinungsfreiheit als elementares Gut der westlichen Gesellschaften schätzt, dass man es schätzt, dass man Schwule hier nicht steinigen darf, dass man es schätzt, Glaube / Kirche und Staat getrennt zu haben? Man könnte fast glauben, der Extremismus hätte seine Ziele schon fast erreicht, so angstvoll wir ‘gen Mekka blicken, wenn irgendwer irgendwo eine unausgewogene Meinung kundtut. Das dumme daran, Meinungen sind selten ausgewogen.