Einmal Lidl zum Abgewöhnen…
So… endlich hat es die Nation begriffen, boah… was hat das gedauert. Ja, liebe Nation, die Arbeitsbedingungen beim Discounter deines Vertrauens sind mal eher bescheiden, hat der stern uns heute mitgeteilt. Eigentlich wissen wir das doch schon ewig, aber gut… man will natürlich auch nicht immer alles sehen, was offensichtlich ist… schlechtgelauntes, demotiviertes Personal, das einem regelmäßig auf den Frack geht, wenn man genötigt ist, seinen Kühlschrank aufzufüllen. Belegschaften, die komplett gekündigt werden, wenn sie auf den außerordentlich abwegigen Gedanken kommen, einen Betriebsrat zu wählen.
Da ist es dann jawohl nur noch ein kleiner Schritt, seine Belegschaft bis ins kleinste Atom zu bespitzeln. Logo, das sind ja auch wesentliche Informationen, die man super zur Kündigung und zum Gehaltsverzicht benutzen kann, dass jemand privat insolvent ist oder rechte Aufkleber auf seinem Auto hat oder nur noch 85 Cent Guthaben auf seinem Handykonto und die Unterarme tätowiert hat, was ja zwingend auf eine Knast-Vergangenheit hinweist… ganz groß Herr Lidl, wirklich… kann mich kaum noch halten.
Es scheint dringend gewesen zu sein im Hause Lidl sich ob der massiven stern-Vorwürfe zu äußern. Anders lässt sich die eilends um 16:00 Uhr an sämtliche Newsletter-Empfänger versandte Erklärung wohl nicht erklären. Einen kleinen Hohn, haben die Herren Lidl dann aber dennoch eingearbeitet: “Wir pflegen einen fairen Umgang mit unseren Mitarbeitern”, findet die Lidl-Geschäftsleitung. Sicher, wer Überwachungskameras auf den Personalklos aufhängt, befindet sich voll im fairen Bereich. Auf irgendeinem Planeten ist das möglicherweise so. Möglicherweise steht Lidls Markteintritt in China unmittelbar bevor und das war hier lediglich das große Testfeld… wer weiß… schließlich muss man sich den örtlichen Marktgegebenheit anpassen.
Aber moment… wenn sich dein Discounter nun aber den örtlichen deutschen Martkgegebenheiten angepasst hat mit dieser Verhöhnung von Arbeitsrecht, Privatsphäre (jaja, die gibt’s auch am Arbeitsplatz), Datenschutz und Persönlichkeitsrechten, läuft dann möglicherweise etwas falsch an unseren örtlichen Marktbedingungen?
In diesem Zusammenhang interessant zu erwähnen ist, dass Lidl, die vor einigen Jahren den Markteintritt in das arbeitsrechtlich stark verminte Gebiet Finnland wagten (kurz nach Bauhaus übrigens) , sich tatsächlich auch in eine ganz andere Richtung den lokalen Marktgegebenheiten anpassen können. Arbeitsrecht? Kein Thema. Einhaltung lokaler finnischer Marktgegebenheiten? Nee, klappt super… nun gut, man muss vielleicht erwähnen, dass Lidl einige empfindliche Strafzahlungen in die finnische Staatskasse abzuwerfen hatte nach Entscheidungen des Ombudsmannes, aber gut… Wer hindert uns eigentlich daran, derart verrohten Unternehmenskulturen per empfindlicher Strafzahlung moralisch auf die Sprünge zu helfen? Bauhaus, nur um den Zusammenhang komplett herzustellen, hat es übrigens auch auf die gleiche monetäre Weise gelernt, sich den lokalen nordischen Gegebenheiten anzupassen.
Warum fackeln wir so lange mit derlei Rohkultur? Wovor haben wir denn Angst? Ist es wirklich nur der Punkt, dass wir Sorge haben, das Schnitzel könnte dadurch zehn Cent teurer werden? Oder haben wir uns mit unserem Gesellschaftsmodell schon soweit von uns selbst entfernt, dass uns derlei Arbeitgeberperversionen am Arsch vorbei gehen? Falls mich einer nach meiner Meinung fragen sollte… ich fürchte, das letztere ist der Fall.





Ein Kommentar zu “Einmal Lidl zum Abgewöhnen…”
3-27-2008
[...] gesunde Ernährung realisieren. Mit regionalen Produkten und zu vernünftigen Preisen. ( Es muß nie wieder LIDL sein… [...]
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