GDL im Glück: Endlich dürfen sie…

von Michael

GDL im Glück

Bildquelle: gdl.de

Werner Leschinger, diesen Namen muss man sich merken, denn offenbar gehört dieser Richter zu der Handvoll derer, die im Deutschen Rechtssystem noch durchblicken. Nun dürfen sie streiken, endlich, die Lokführer und die GDL. Auf Herr Schell, dann jetzt aber los! Mal kraftvoll den Druck erhöhen auf die Bahn, die bekanntermaßen auf Tarifautonomie, Streikrecht, Zugangsrecht der Gewarkschaften etc. sch***t. Ich möchte ja mal wissen, was so angeblich unverhältnismäßig am Streikrecht ist, dass die boomende deutsche Wirtschaft jammert und wehklagt. Sieht man da möglicherweise böse Vorzeichen am Horizont herauf ziehen?
Ich denke mal, ganz bestimmt sieht man das. Denn wie lange hatte man geglaubt, könnte man den dummen Arbeitnehmer als solches weiterhin für dumm verkaufen? Meint man, der Lohn- und Brotabhängige wäre allgemein der Rechnerei nicht fähig? Wenn ich dem geneigten Leser mal eben auf die Sprünge helfen darf… Nullrunden nannte man das, was die Arbeitnehmerschaft zähneknirschend zu akzeptieren hatte, sonst würde man ins Ausland abwandern (…um dann mit deutscher Förderung wieder zurück kommen zu können, aber das ist ein anderes Thema).

Die vergangenen zehn Jahre gab es nur Nullrunden. Nach mathematischem Verständnis also Runden, in denen die Arbeit weiter verdichtet wurde, die Märkte sich weiter konzentrierten (damit man am Ende vom Verbraucher jeden Preis erpressen kann, siehe Strom, aber auch n anderes Thema), das Management sich saftige Boni bescherte und die Reallöhne bodenlos absanken. Da konnte man als Unternehmer mal lustig in die Hände klatschen, wenn die Belegschaft mittlerweile nur noch für acht statt zehn Euro arbeitete. Und Überstunden… ja, nein… ohne geht’s ja gar nicht, weil sonst … Sie wissen schon… Ausland.

Ja, und die Bahn ist ja nun auch Unternehmer. Genau genommen wir alle, weil die Bahn immer noch dem Bund gehört und was dem Bund gehört, gehört uns allen. Nun bin ich möglicherweise ein “schwieriger” Bundesaktionär, aber ich finde, als solcher muss meine Vertretung, also der Bund als Mehrheitseigner sehr klaren Augen darauf schauen, dass sich das Bundesunternehmen Bahn an die Gesetzlichkeit des Landes halten, dem sie gehört. Huch, … und da sind wir wieder beim Streikrecht, was gesetzlich verbrieft ist.

Nun muss man sich eigentlich fragen, wie kam dieses Chemnitzer Schnallnixundraffnix-Arbeitsgericht eigentlich dazu, zu behaupten, eine Ausweitung des Streiks auf Güter- und Fernferkehr sei unverhältnismäßig? Mag das möglicherweise daran liegen, dass der Bund als Eigner der Bahn, der ja die Gesetze erlassen hat, die die Bahn einzuhalten hat, wenn es um Tarifautonomie geht, sich so gepflegt da rausgehalten hat und alles andere wichtige zu tun hatte, als auf Recht und Gesetz zu pochen? War das möglicherweise ein Signal an das Gericht, dass das Recht vielleicht doch nicht so wichtig ist, weil schließlich müsse man dann hinterher den Herren Unternehmerverbänden den Hintern pudern, um das schlimmste Geweine und Gejammer… und “Achtung, wir könnten so schön ins Ausland gehen… nach Indien z.B., wo die Bahn ja immer so zuverlässig fährt und man zur Not Rikschas bemühen kann” abzuwenden.

Wir wissen es nicht, alles wilde Spekulation. Gottseidank, endlich darf gestreikt werden, auch ganz heavy, auch so, dass man am Arsch der Welt am einsamsten Bahnhof steht und leider nie mehr wegkommt.

Ich finde, so ein ordentlicher Streik, das muss manchmal einfach sein. Manchmal muss auch einfach mal wieder klar gemacht werden, auf wessen Rücken man sich seine eigenen 70 Prozent Gehaltserhöhung genehmigt hat. Das hört sich zwar nach altem Klassenkampf an, aber ich darf Ihnen versichern, das liegt mir völlig fern. Man muss den Kräften und Interessengruppen seinen freien Lauf lassen. Wenn die Bahn zum x-ten Male ein weiteres “neues” Angebot vorlegt, in dem nur Kommas ein bisschen umsortiert wurden, dann haben wir das einfach alle verdient, wir Bundesaktionäre…