So ein Freitagabend ohne alles, ohne Internet, ohne TV, ohne Telefon… super! Danke, Unitymedia, ganz großes Kino. Nun überlege ich nur die ganze Zeit, während ich mich im Schneckentempo per UMTS-Stick durchs Netz bewege, was man eigentlich früher machte. Also in der Zeit vor Internet, Handy und Dauerpräsenz im Netz. Kühe melken? Butter stampfen? Socken stopfen? Blagen ins Bett karren? Sorry, habe ich als zivilisierter Mensch gerade nicht zur Hand.
Ach, da fällt mir ein … Wer Sorgen hat, hat auch Likör… mal schauen, was die Haus(apo)theke noch so hergibt. Oder gehe ich doch direkt ins Bett? Fragen über Fragen. Aber diese Störung hält laut Hotline ja nun noch bis morgen Vormittag an. Ein Buch ginge auch. Ich habe mal eins besessen, das weiß ich genau! Aber wo liegt das jetzt? Mmmh… Vielleicht beschränke ich mich einfach aufs Atmen und mit den Augen klimpern. Sowas erfordert schließlich auch höchste Konzentration und Präzision, wenn man seine Welt mal nicht mehr durch einen Monitor wahrnimmt. Mmmh… Ach, ich weiß nicht, vielleicht doch Likör?









Frei ist…
…auch frei von dauernder Beobachtung zu sein. Ich muss darauf vertrauen können, dass das was ich spreche, vertraulich ist und nicht von staatlichen Stellen vorsorglich in großen Dateien abgespeichert wird. Freiheit ist auch mich frei von Bewegungsprofilen von einer Funkzelle zur anderen zu begeben, ohne dass mein Innenminister zu jeder Zeit weiß, wo ich mich aufhalte. Freiheit ist mehr als nicht in Ketten zu leben und mehr als die Freiheit zum Konsum.
Freiheit umfasst freie und unbeobachtete Kommunikation, gleich ob es sich dabei um einen Brief, die Telefonleitung, E-Mail oder ein Chatfenster handelt. Freiheit umfasst die Koalitions- und Vereinigungsfreiheit und die entfaltet sich nunmal nur, wenn einem nicht ständig eine Stasi über die Schulter blickt. Das hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Grundsatzurteil zur Vorratsdatenspeicherung heute genauso gesehen, was mich als Kläger gegen die Bundesrepublik Deutschland hoffen lässt, dass es um diese Bundesrepublik, ihre Demokratie und freiheitliche Grundordnung womöglich doch noch nicht ganz so übel bestellt ist, wie sich das in der verheerenden Gesetzgebung nach 9/11 erahnen ließ.