Frei ist…

…auch frei von dauernder Beobachtung zu sein. Ich muss darauf vertrauen können, dass das was ich spreche, vertraulich ist und nicht von staatlichen Stellen vorsorglich in großen Dateien abgespeichert wird. Freiheit ist auch mich frei von Bewegungsprofilen von einer Funkzelle zur anderen zu begeben, ohne dass mein Innenminister zu jeder Zeit weiß, wo ich mich aufhalte. Freiheit ist mehr als nicht in Ketten zu leben und mehr als die Freiheit zum Konsum.

Freiheit umfasst freie und unbeobachtete Kommunikation, gleich ob es sich dabei um einen Brief, die Telefonleitung, E-Mail oder ein Chatfenster handelt. Freiheit umfasst die Koalitions- und Vereinigungsfreiheit und die entfaltet sich nunmal nur, wenn einem nicht ständig eine Stasi über die Schulter blickt. Das hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Grundsatzurteil zur Vorratsdatenspeicherung heute genauso gesehen, was mich als Kläger gegen die Bundesrepublik Deutschland hoffen lässt, dass es um diese Bundesrepublik, ihre Demokratie und freiheitliche Grundordnung womöglich doch noch nicht ganz so übel bestellt ist, wie sich das in der verheerenden Gesetzgebung nach 9/11 erahnen ließ.

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Einmal ohne alles

So ein Freitagabend ohne alles, ohne Internet, ohne TV, ohne Telefon… super! Danke, Unitymedia, ganz großes Kino. Nun überlege ich nur die ganze Zeit, während ich mich im Schneckentempo per UMTS-Stick durchs Netz bewege, was man eigentlich früher machte. Also in der Zeit vor Internet, Handy und Dauerpräsenz im Netz. Kühe melken? Butter stampfen? Socken stopfen? Blagen ins Bett karren? Sorry, habe ich als zivilisierter Mensch gerade nicht zur Hand.

Ach, da fällt mir ein … Wer Sorgen hat, hat auch Likör… mal schauen, was die Haus(apo)theke noch so hergibt. Oder gehe ich doch direkt ins Bett? Fragen über Fragen. Aber diese Störung hält laut Hotline ja nun noch bis morgen Vormittag an. Ein Buch ginge auch. Ich habe mal eins besessen, das weiß ich genau! Aber wo liegt das jetzt? Mmmh…  Vielleicht beschränke ich mich einfach aufs Atmen und mit den Augen klimpern. Sowas erfordert schließlich auch höchste Konzentration und Präzision, wenn man seine Welt mal nicht mehr durch einen Monitor wahrnimmt. Mmmh… Ach, ich weiß nicht, vielleicht doch Likör? ;-)

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Geregelt

Es ist bekanntermaßen das beste, wenn der Mensch am Ende seines Lebens einfach die Knöppe zumacht und aufhört zu atmen. Mal abgesehen davon, dass es für Kranken- und Pflegekassen ohnehin das beste ist, wenn sie möglichst wenig in Anspruch genommen werden, ist es vor allem für die Angehörigen und Dableibenden besser, wenn diese Ausnahmesituation am Ende wenig lange währt zum einen und zum anderen, dass der Ablebewillige diese Ausnahmesituation in irgendeiner Weise geregelt hat.

Nun ist es dem Menschen durchaus eigen möglichst lange anzunehmen, er sei unsterblich und es ginge immer alles so weiter wie schon in den vergangenen Lebensjahrzehnten. Als Widerspruch wird dabei offenbar auch nicht so oft empfunden, dass ja nun schon andere auf den Städtischen Friedhof umgezogen sind. Irgendwann kommt dann aber doch für jeden so ein Moment, wo die Fantasie der eigenen Unverwundbarkeit nur noch mit größten Verdrängungsmechanismen aufrecht zu erhalten wäre. Mein persönlicher solcher Moment war Ende vergangenen Jahres gekommen. Mit Anfang Vierzig hat man, wenn es gut läuft, die Hälfte seiner Lebenserwartung locker abgelebt und wenn es blöd läuft, vielleicht auch schon deutlich mehr. Man weiß es eben nicht und so habe ich glaube ich das einzig richtige gemacht und drei Menschen mit einer Vorsorgevollmacht versehen sowie einem Patiententestament und meinen Willen kund getan, entwickelt in vielen persönlichen Gesprächen, was ich denn wollen würde, wenn sich mein Hirn, also das, was mich ausmacht und zu dem macht, der ich immer war, verabschiedet ohne den dann willensfreien Körper mitzunehmen. Was wäre denn wohl mein Wille, wenn ich eines Tages in einem medizinischen Maschinenpark angekettet und piepsender Technik ausgesetzt wäre ohne Aussicht darauf, jemals wieder genüsslich im Gartendreck zu wühlen oder einen Computer bis aufs Gerippe auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu setzen? Ich weiß jetzt, was ich will und bin an diesem wundervollen Frühlingstag heute zu meiner Notarin gewackelt und habe diesen nunmehr gefassten Willen unterschrieben. Ich muss sagen, das fühlt sich ziemlich gut an, sicher zu stellen, dass mein Willen für den Eventualfall niedergeschrieben, ausgedruckt, zentral registriert und bestempelt ist und ich damit eine realistische Chance geschaffen habe, dass die mit meinem Willen und meinen Entscheidungen bedachten wissen, was zu tun ist. Nun kann man Löcher rein machen ins Dokument und es abheften und hoffen, dass ich am Ende doch einfach so die Knöpfchen zumache. Hoffen darf man schließlich. :-)

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